Podcast: Kanonen und Karibik – Die Fregatte Jylland

Dänemark für die Ohren – das gibt es immer am ersten Sonntag des Monats, wenn Chris mit einem Gast aus Dänemark schnackt. Hier findest du alle Folgen.

Stolz ist sie, reicht verziert und schon von weitem hin sichtbar. Die Fregatte Jylland ist das letzte Kriegsschiff aus Eichenholz, welches Dänemark bauen lies. Heute liegt die Fregatte in einem Trockendock in Ebeltoft und kann von neugierigen Urlaubern besucht werden. Mit einer Länge von 71 Meter ist sie das längste noch erhaltene Holzschiff der Welt.

Ein Streit zwischen konservativen Offizieren und modernen Technikern

Die Fregatte Jylland im Gegenlicht.

Die Fregatte hat drei Masten, 44 Kanonen und wurde bereits mit einer Dampfmaschine vom Stapel gelassen – ein technisches Novum im Jahr 1860. Mit der dampfbetriebenen Schiffsschraube war es möglich, in Kriegssituationen oder in Häfen schnell manövrieren zu können. “Der Bau selbst hat etwa drei Jahre gedauert und weitere zwei Jahre hat die Einrichtung und Ausrüstung gedauert”, erklärt der Museumsführer Erik Christophersen im kleinen Dänemark-Podcast.

Obwohl Mitte des 19. Jahrhunderts bereits Schiffe mit Eisen verkleidet wurden, besitzt die Jylland keinen solchen Panzer. “Das geht auf einen Konflikt zwischen den konservativen Offizieren damals und den modernen Technikern zurück. Es gab damals wirklich Streit, was ein Kriegsschiff ausmacht: ist es Tradition oder muss man moderner denken?”, so Erik. Am Ende setzten sich die Konservativen durch.

Die Fregatte Jylland ist ein kleines Kunstwerk

Die Galionsfigur Rán ist die Ehefrau des Meeresgottes Ägir

Dem Durchsetzungsvermögen der Offiziere ist es auch zu verdanken, dass die Fregatte Jylland reich verziert ist. Zahlreiche Schnitzereien und Ornamente schmücken das Segelschiff. “Die Techniker hielten nichts davon. Ein Kriegsschiff musste nüchtern sein, die Kanonen schwarz-grau, keine bunten Farben oder Kunstwerke”, sagt Erik. Doch nach traditioneller Auffassung musste ein Kriegsschiff auch repräsentativ sein – und genau das ist die Jylland auch.

Schon allein die goldene Galionsfigur macht einiges her. Es handelt sich um Rán. Sie hat ein langes Gewand, ein Fischernetz über die Schultern gelegt und einen langen Stab in der Hand. Rán ist die Ehefrau des Meeresgottes Ägir, der übrigens am Heck des Schiffes angebracht ist. Beide zusammen symbolisieren den Schutz der Fregatte und der Seeleute. Aberglaube war ohnehin ein großes Thema für die Seefahrer. “Beispielsweise durften Frauen unter keinen Umständen an Bord gehen. Sie mussten auf dem Kai stehen bleiben, an Bord sollen sie Unglück gebracht haben”, meint Erik.

611 Kanonenschüsse in nur zwei Stunden

Nur ein Mal geriet die Fregatte Jylland in ein Seegefecht. Im deutsch-dänischen Krieg 1864 stand die Fregatte der Schwarzenberg gegenüber. Bis zu 700 Kanonenkugeln hatte die Jylland an Bord. “Man weiß genau, dass während des Gefechts innerhalb von zwei Stunden 611 Kugeln abgefeuert wurden. Alles wurde genau notiert, Bürokratie gab es schon damals”, erzählt Erik und lacht. “Für jeden Schuss hat man drei Kilogramm Schwarzpulver gebraucht.”

Es war übrigens die letzte Schlacht für Dänemark auf See. Besonders stolz sind die Dänen, dass sie das Gefecht für sich entscheiden konnten. Den Krieg haben sie letztlich aber verloren.

Noch mehr Geschichten von der Jylland auf hoher See? Höre jetzt die ganze Podcastfolge

Wie haben die Seeleute auf der Fregatte gelebt? Wie kam es, dass das Schiff sogar bis in die Karibik gereist ist? Höre jetzt die ganze Podcastfolge mit Erik Christophersen und Chris:

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