Liveblog
Seit dem Jahr 2017 siedeln sich in Dänemark wieder Wölfe an. Alle leben in Jütland. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Berichte über Begegnungen mit Menschen. Forscher erklären, dass von den Tieren für den Menschen keine Gefahr ausgeht.
In diesem Liveblog findest du aktuelle Informationen und Meldungen rund um Wölfe in Dänemark.
- Rund 77 Wölfe leben laut Schätzung in Dänemark
- Es gab bisher keinen Angriff auf einen Menschen
- Wolf gesehen? Stehen bleiben, laut sein, langsam zurückziehen
So verhältst du dich, wenn du einem Wolf begegnest
Wölfe gehen Menschen normalerweise aus dem Weg. In Dänemark hat es bisher keine Angriffe auf Menschen gegeben. Trotzdem ist es gut zu wissen, was du bei einer Begegnung tun solltest. Die Tipps stammen von der Styrelsen for Grøn Arealomlægning og Vandmiljø, der in Dänemark für Wölfe zuständigen Behörde, und von Wolfsforschern der Universität Aarhus.
Wenn du einem Wolf begegnest
– Bleib ruhig stehen und beobachte das Tier. Geh nicht auf den Wolf zu, folge ihm nicht und entferne dich langsam. Renne nicht weg.
– Halte Blickkontakt, tritt selbstsicher auf und dreh dem Wolf nicht den Rücken zu.
– Geht der Wolf nicht weg, mach Lärm, um ihn zu vertreiben: Ruf laut, klatsch in die Hände, schwenk die Arme. Du kannst auch kleine Gegenstände vor ihn werfen.
– Zieh dich langsam zurück und lass dem Wolf Zeit, sich selbst zurückzuziehen.
– Folgt dir der Wolf, bleib stehen, mach dich groß und sei laut.
– Knurrt der Wolf oder zeigt er die Zähne, hat er Angst. Das bedeutet nicht, dass er angreift.
– Wenn du im Auto sitzt, bleib drin, bis der Wolf weg ist.
– Im äußerst seltenen Fall eines Angriffs: nicht tot stellen, sondern wehren. Schlag und tritt das Tier, nimm zum Beispiel einen Stock zu Hilfe.
Mit Hund
– Lass deinen Hund an der Leine.
– Taucht ein Wolf auf, ruf deinen Hund sofort zu dir.
– Mach dich groß und laut, indem du rufst, klatschst oder winkst.
– Greift ein Wolf deinen Hund an, stell dich nicht dazwischen. Schlag und tritt stattdessen gegen das Hinterteil des Wolfs.
Wölfe niemals füttern
Gefütterte Wölfe verlieren ihre Scheu vor Menschen. In Westjütland wurden bereits Wölfe erschossen, die gezielt die Nähe von Menschen gesucht hatten, vermutlich weil sie gefüttert worden waren.
Wolf gesehen?
Mach, wenn möglich, ein Foto oder Video. Melde die Sichtung auf ulveatlas.dk oder per E-Mail an ulv@nathist.dk. Die Adresse gehört dem Naturhistorischen Museum Aarhus, das die dänische Wolfsüberwachung mit betreibt.
Dänemark will jeden Wolf per DNA erfassen
Dänemark will künftig jeden Wolf im Land über seine DNA erfassen. Daraus soll ein Register entstehen, in dem jedes Tier einzeln geführt wird. Das hat Christian Rabjerg Madsen angekündigt, Dänemarks Minister für Natur und Tierschutz von den Sozialdemokraten.
Der Minister will damit die Jagd auf Wölfe möglich machen. Sein Ziel ist, den Bestand auf eine Mindestgröße zu senken. Dafür muss Dänemark gegenüber der EU belegen, dass die Wölfe im Land langfristig gesichert sind. Mit genauen Zahlen rechnet Rabjerg Madsen damit, das zu schaffen.
Bisher wird der Bestand nur geschätzt. Die Forscher zählen die Rudel mit Nachwuchs und rechnen pro Rudel mit sieben Tieren. So kommen sie für das kommende Frühjahr auf rund 77 erwachsene Wölfe. Der Minister ist überzeugt, dass es deutlich mehr sind.
Wer die DNA-Erfassung übernimmt, soll Anfang 2027 feststehen. Der Auftrag ist ausgeschrieben. Das Budget für die Wolfsüberwachung steigt dafür von 1,25 auf 7,5 Millionen Kronen pro Jahr. Das ist umgerechnet etwa eine Million Euro.
Junge Wölfin bei Karup überfahren
In Mitteljütland ist eine junge Wölfin von einem Auto erfasst und getötet worden. Sie wurde in diesem Jahr geboren. Das hat die Styrelsen for Grøn Arealomlægning og Vandmiljø, die in Dänemark für Wölfe zuständige Behörde, dem Regionalsender TV Midtvest bestätigt.
Das Tier lag am Freitagmorgen (2. Oktober) auf dem Hessellundvej zwischen Karup und Aulum, südwestlich von Viborg. Die Naturstyrelsen, die staatliche Naturbehörde, hat den Kadaver geborgen und zur Untersuchung an die Universität Kopenhagen gebracht.
Schon im März war zwischen Holstebro und Lemvig in Westjütland ein männlicher Wolf überfahren worden.
Biologin: Fünen hätte Platz für Wölfe
Fünen könnte eine kleine Wolfspopulation ernähren. Das sagt die Biologin und Naturvermittlerin Lene Sanderhoff dem Regionalsender TV 2 Fyn. Auf der Insel gebe es sehr viele Damhirsche, also genug Nahrung. Bislang leben Wölfe in Dänemark nur in Jütland. Über den Lillebælt, die Meerenge zwischen Jütland und Fünen, könnte ein Wolf aber problemlos schwimmen.
Sanderhoff sagt auch: Fünen ist dichter besiedelt als Jütland, Begegnungen zwischen Wolf und Mensch wären dort häufiger. Ob Dänemark dafür schon bereit ist, bezweifelt sie.
In der Debatte über Wölfe wünscht sie sich mehr Fakten, zum Beispiel dazu, wie selten Wölfe Menschen angreifen. Entscheidungen sollten sich danach richten, was Fachleute sagen.
Bürgervorschlag: Wölfe sollen nur noch in Schutzgebieten leben
Ein Bürgervorschlag will frei lebende Wölfe aus Dänemark verbannen. Stattdessen sollen Wölfe nur noch in geschützten Gebieten wie großen Nationalparks oder Reservaten leben. Bislang haben 41.471 Menschen unterschrieben.
Der Vorschlag heißt „Nej tak til fritgående ulve i Danmark“ (auf Deutsch: „Nein danke zu frei lebenden Wölfen in Dänemark“). Gestartet hat ihn Hans-Jørgen Bøgfeldt aus Frederikssund auf Seeland. Die Unterstützer halten Dänemark für zu dicht besiedelt und zu intensiv genutzt, als dass Wölfe dort ohne größere Konflikte leben könnten.
Kommen bis November 50.000 Unterschriften zusammen, muss sich das dänische Parlament, das Folketing, mit dem Vorschlag befassen. Das heißt aber nicht, dass er auch angenommen wird.
Studie: Wölfe gehen Menschen gezielt aus dem Weg
Wölfe meiden Menschen aktiv. Das zeigt eine Langzeitstudie aus Deutschland. Forscher haben dort von 2009 bis 2020 insgesamt 18 Wölfe mit GPS-Halsbändern begleitet. Tagsüber hielten sich die Tiere von Menschen fern und versteckten sich in dichter Vegetation. Aktiv wurden sie vor allem nach Einbruch der Dunkelheit.
Für Urlauber heißt das: Wer tagsüber in Dänemarks Wäldern und Plantagen unterwegs ist, wird einem Wolf nur selten begegnen.
Michael Carlsen ist Zoologe bei Dyrenes Beskyttelse, einer dänischen Tierschutzorganisation. Für ihn bestätigt die Studie, was Fachleute schon länger wissen: Der Wolf ist anpassungsfähig, aber grundsätzlich scheu und vorsichtig. Die Ergebnisse könnten Menschen Sicherheit geben, weil sie deutlich zeigen, dass Wölfe den Kontakt zu Menschen nicht suchen.
Umfrage: 44 Prozent der Dänen sehen keinen Platz für Wölfe
44 Prozent der Dänen finden, dass in Dänemark kein Platz für Wölfe ist. 33 Prozent sehen das anders. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Epinion für den dänischen Rundfunk DR. Bei einer vergleichbaren Umfrage 2018 war es noch umgekehrt. Am größten ist die Ablehnung bei älteren Menschen.
Vor der Umfrage gab es im Sommer mehrere Vorfälle. Im August kam in der Bunken Plantage bei Ålbæk, südlich von Skagen, ein Wolf einem Läufer nahe und zeigte die Zähne. Laut den offiziellen Empfehlungen ist das ein Zeichen von Angst, nicht von Angriffslust. Kurz darauf erschoss die Naturstyrelsen, die dänische Naturbehörde, bei Houstrup an der Westküste südlich des Ringkøbing Fjords einen Wolf. Er hatte sich mehrfach Menschen genähert, unter anderem an einem Spielplatz in Lønne.
Das Ergebnis spiegelt vor allem die Berichterstattung der letzten Monate wider. Das sagt Hans Peter Hansen, ehemaliger Forscher der Universität Aarhus, der sich seit 2009 damit beschäftigt, was Wölfe für Menschen bedeuten. Nach so langer Zeit ohne große Raubtiere gelte die Natur in Dänemark vielen als friedlich und der Wolf störe dieses Bild.
Dänemark plant Wolfsjagd ab 2027, aber die Mindestzahl ist noch offen
Dänemarks Umweltminister Christian Rabjerg Madsen von den Sozialdemokraten will Wölfe ab dem Jahr 2027 zur Jagd freigeben. Noch ist aber unklar, wie viele Wölfe mindestens im Land leben müssen, bevor geschossen werden darf.
Ohne die EU geht es nicht. Sie erlaubt die Jagd auf eine geschützte Art nur, wenn deren Bestand auf Dauer gesichert ist. Wie groß der Bestand dafür sein muss, muss Dänemark selbst berechnen und begründen. Die Zahl soll im Laufe des Jahres 2027 feststehen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei Deutschland. Wenn die dänischen Wölfe als Teil des deutschen Bestands gelten, müssen in Dänemark weniger Tiere leben. Das erklärt der Wolfsforscher Peter Sunde von der Universität Aarhus. Derzeit gibt es 15 Wolfsreviere in Jütland. Nach Einschätzung der Forscher wäre Platz für etwa doppelt so viele. Bis eine Entscheidung fällt, bleiben Wölfe in Dänemark geschützt.
Bericht: Vier neue Wolfsreviere in Jütland
In Jütland haben sich in diesem Jahr vier neue Wolfspaare ein eigenes Revier gesucht. Das zeigt ein vorläufiger Bericht der Universität Aarhus und des Naturhistorischen Museums Aarhus. Die neuen Reviere liegen bei Estvad und Dejbjerg in Westjütland sowie bei Løgumkloster und Renbæk in Sønderjylland, dem südlichsten Teil Jütlands an der deutschen Grenze. In Auftrag gegeben hat den Bericht die Styrelsen for Grøn Arealomlægning og Vandmiljø, die in Dänemark für Wölfe zuständige Behörde.
Die Forscher zählen jetzt insgesamt 15 Wolfsreviere, alle in Jütland. In elf davon gab es 2026 Nachwuchs, im Vorjahr waren es sieben. Den Bestand schätzen die Forscher auf rund 77 Wölfe. Vor einem Jahr lag die Schätzung bei 49.
Nach Einschätzung der Forscher wird der Bestand weiter wachsen. Es gebe in Jütland noch geeignete Gebiete ohne feste Wolfsvorkommen, etwa Djursland und Thy. Wölfe könnten sich also künftig auch in diesen beliebten Ferienregionen ansiedeln.
Rekord: Mindestens 61 Wolfswelpen in Jütland geboren
In Jütland sind 2026 mindestens 61 Wolfswelpen geboren worden, so viele wie nie zuvor. Das geht aus der dänischen Wolfszählung hervor, wie DR berichtet.
Die Jungwölfe werden in den kommenden Wochen selbstständig. Sie verlassen ihre Familien, suchen eigene Reviere und Partner. Dabei können sie auch in der Nähe von Ortschaften auftauchen. Laut Fachleuten ist das für junge Wölfe normales Verhalten. Für Urlauber heißt das: Die Wahrscheinlichkeit, einem Wolf zu begegnen, steigt.
Der Wolfsforscher Peter Sunde von der Universität Aarhus sieht keinen Grund zur Angst. Wer ein paar einfache Verhaltensregeln kennt, sei gut vorbereitet.
