klitly wohnt jetzt am Meer – fast in Dänemark

In den letzten Wochen war es wirklich ruhig um klitly. Keine neuen Artikel, auch bei den Podcasts gab es nur vereinzelt neue Folgen. Ich habe ausgerechnet die für uns Dänemarkfreunde so wichtige Weihnachtszeit verpennt. Nein, verpennt habe ich sie ganz und gar nicht. Aber ich bin einfach nicht dazu gekommen, die Hygge und den Norden in Worte, Bilder und Rezepte zu packen.

Stattdessen habe ich in den letzten Woche zahlreiche Dannebrogs an kleinen Fahnenmasten und an Stoffketten verpackt, habe meine Kamera geschnappt, meine Bücher über das schönste Land der Welt in Kisten gestapelt und habe es getan. Ich bin in den Norden gezogen – ans Meer.

Im „echten Norden“ – ganz nah an Dänemark

Die Entscheidung in den Norden zu gehen, habe ich schon vor ganz langer Zeit in meinem Herzen getroffen. Ich weiß, dass viele Dänemark-Freunde und klitly-LeserInnen diesen Wunsch in ihrem Herzen hegen. Viele möchten direkt nach Dänemark gehen, aber kennen auch viele Gründe, die dagegen sprechen. Manchmal ist es die Arbeit oder die Familie, die man nicht zurücklassen möchte, ein anderes Mal ist es ein Haus und nur allzu oft ist es die Angst vor dem Unbekannten. Natürlich ist es etwas anderes, den Urlaub im Norden zu verbringen, als sein Leben dorthin zu verlegen. Wird denn alles genauso bezaubernd bleiben? Werde ich Freunde und Anschluss finden? Für jene, die direkt nach Dänemark gehen kommt dazu, die Sprache zu lernen und sich in einem neuen Sozialsystem zurechtzufinden. Ganz schön kompliziert.

Ich wollte jedenfalls die Möwen hören, wenn ich morgens aufwache, den Strand und das Meer in erreichbarer Nähe wissen und einfach näher dran sein an dem Land, was ich so liebe. In den vergangenen Tagen haben mich viele Freunde gefragt: Warum bist du eigentlich nicht direkt nach Dänemark gegangen. Nun ja, auch ich habe viele Gründe gefunden.

Warum nicht gleich nach Dänemark?

Eine Möwe auf der Kieler Förde

Ja, ich bin jetzt Kieler. Am 9. Dezember 2021 hat die außerordentlich freundliche Mitarbeiterin auf der Stadtverwaltung meinen Personalausweis auf den aktuellen Stand gebracht. Das war schon ein außergewöhnliches Gefühl, jetzt Schleswig-Holsteiner zu sein. Im „echten Norden“ zu wohnen, wie das Bundesland für sich wirbt. Die Beamtin hat mich Willkommen geheißen und mich gefragt, was mich eigentlich hier in den Norden verschlägt?

Die ausnahmslos beste Antwort im Leben ist immer die, wenn wir sagen können, dass wir etwas aus Liebe tun. So begann ich auch zu lächeln, als ich ihr knapp antwortete: Weil es hier so schön ist. Das stimmt auch. Ich habe ein wunderbares neues zu Hause unweit der Kieler Förde gefunden, ich höre die Möwen, wenn ich morgens aufwache, der Strand und das Meer sind nicht weit weg und bis nach Dänemark ist es gerade mal eine Stunde mit dem Auto.

Ganz nach Dänemark habe ich mich aber nicht getraut, der Schritt schien mir für den Moment einfach zu groß. Ich arbeite in Deutschland als freier Journalist mit meiner Sprache und Stimme. Kann ich meinen Beruf einfach zurücklassen? Kann ich es mir leisten, in der dänischen Krankenversicherung für die Medikamente aufzukommen, die ich regelmäßig brauche? Nicht zuletzt gab es noch einen anderen Punkt, der mir immer wieder durch den Kopf ging. Könnte ich die Schönheit der dänischen Westküste noch spüren, wenn sie Teil meines Alltags geworden ist oder werden meine Augen Dünenheide und reetgeeckte Häuser nur noch gedankenlos streifen? Ja, davor habe ich mich ein wenig gefürchtet.

Das Versprechen, es anders zu machen

Meinen Eltern verdanke ich meine Liebe zu Dänemark. Ich habe es schon oft erzählt, aber meine Eltern waren es, die mit meinem Bruder, mir und den Hunden immer wieder nach Westjütland gefahren sind. Mit vier Jahren stand ich das erste Mal auf der Düne von Holmsland Klit. Ich musste mich verlieben. Erst in die scheinbar endlosen Sommerurlaube, dann in die Sonnenuntergänge an der Nordsee, später in die spektakuläre Natur im ganzen Land. In ein dänisches Ferienhaus zu kommen ist für mich, wie nach Hause zu kommen.

Meine Eltern hatten irgendwann nach dem Jahrtausendwechsel die Chance, nach Dänemark zu gehen. Jobs im Handwerk wurden gesucht, meine Mutter würde im Handel unterkommen. Die Herzen wären sofort dabei gewesen. Sie haben es nicht getan. Stattdessen träumen meine Eltern weiterhin vom nächsten Urlaub, zehren von den Erinnerungen und klagen manchmal leise darüber, die Heimat nicht verlassen zu haben. Damals hatten sie einfach zu viele Gründe gefunden. Heute haben sie sich ein dänisches Kleinod im Garten angelegt. Ein Gartenhaus – beinahe so wie ein dänisches Sommerhaus, direkt neben dem Beet mit Strandgras. Alte Fischernetze, ein Dannebrog-Wimpel, kleine Anker und bemalte Steine überbrücken die 800 Kilometer, die sie von ihrem Herzensort trennen. Aber sie haben ein Stück dänisches Hoheitsgebiet mitten in Ostthüringen.

Immer dann, wenn meine Eltern ihre Entscheidung bedauert haben, war es für mich wie ein Ansporn. Das Versprechen, es anders zu machen. Nicht, dass es ein großes Unglück gewesen wäre, dass sie sich gegen einen Umzug entschieden haben. Aber es ist trotzdem ein kleiner Wunsch im Herzen, der unerfüllt bleibt.

klitly geht weiter – es ist halt eine Herzensangelegenheit

Sonnenuntergang am Lyngvig Fyr

Nun sitze ich hier und bin vor einem Monat in Kiel angekommen. Ich wollt etwas darüber schreiben, warum es so lang still hier bei klitly war. Keine Entschuldigung, sondern eine kleine Erklärung. Ein Ausblick darauf, dass es hier weitergeht. Mit persönlichen Berichten, mit Informationen zum Urlaub in Dänemark und natürlich mit leckeren Rezepten. Spätestens wenn ich eine Küche habe, kann das auch weitergehen. Natürlich hören wir uns auch wieder zu den Podcasts. Anfang Januar habe ich eine ganz tolle Folge über das Strandingsmuseum in Thorsminde veröffentlicht.

Es macht mich froh, hier wieder zu schreiben. Denn ich habe klitly damals gegründet um Dänemark immer nahe zu sein und die Liebe zu diesem Land mit vielen Menschen zu teilen. Genau diesen Gedanken nehme ich auch in das inzwischen vierte Jahr auf klitly mit. Da es nun nicht mehr so weit für mich ins Herzensland ist und klitly jetzt am Meer wohnt, kann ich euch hoffentlich noch häufiger mitnehmen und die ein oder andere Ecke entdecken, die du und ich noch nicht kennen.

Danke, dass du klitly auf dieser Reise begleitest.

14 Kommentare

  1. Lieber Chris,
    das hast du wunderschön geschrieben und beschrieben! Ja, man muss nicht jeden Traum leben. Man kann auch VON den Träumen leben und den Alltag meistern. Du bist jedenfalls richtig dicht beim Traumziel- zu wissen, dass du im emotionalen Notfall nicht weit weg bist von Meer, Dünen, Strandgras und dieser unglaublichen Luft ist doch ganz, ganz wunderbar.
    Held og lykke og vi ses snart!

    1. Kærte Susanne, tusind tak for dine vidunderlige ord. Ich weiß genau, von welchen Träumen du sprichst. <3 Ich fächere dir auch immer ein bisschen Seeluft in den Süden. Versprochen. Alt det bedste, Chris

  2. Hej Chris.
    Das ist eine wunderschöne Geschichte. Auch wir haben uns schon mal mit dem Thema „Auswandern“ nach Dänemark (wohin auch sonst?) befasst.
    Aber vielleicht hast du Recht. Worauf kann ich mich denn noch freuen? Natürlich ist die Vorstellung, für immer im Herzensland zu wohnen zunächst verlockend. Aber ich muss da ja auch arbeiten. Und wo fahre ich dann hin, wenn ich Urlaub habe?
    Danke für diese Gedanken.
    Ich wünsche dir alles Gute in deiner neuen Heimat. Immerhin bist du schon mal am Meer.
    Allerdings wird es auch von Hamburg behauptet, es läge ja direkt am Meer (Hahaha).
    In diesem Sinne. Ich freue mich, von dir zu hören.
    Har det godt og mange hilsener
    Angela

    1. Hej kære Angela, danke für deinen Kommentar. Also Kiel liegt ja wirklich direkt am Wasser und die Ostsee ist nur einen Katzensprung entfernt. 😉 Übrigens auch ein Grund, warum ich mich nicht für Hamburg entschieden habe.

      Ich glaube das mit dem Auswandern ist wirklich ein zweischneidiges Schwert. Vielleicht mache ich mir zu viele Gedanken darüber, was wäre wenn. Allerdings ergreifen mich bei so vielen Gedanken, Bildern und Erinnerungen an Dänemark, die Westküste, die Urlaube dort so wunderbare Gefühle. Das ist viel wert und es ist eben dadurch etwas besonderes, dass ich es nicht immer habe.

      Bedste hilsner fra Chris

  3. Moin Chris, willkommen in Deutschlands Norden und besonders in Kiel! Ich als alte Kielerin kann gut verstehen, dass du die Nähe vom Meer und DK gesucht hast.
    Ostsee ist ja schon mal was 😍
    Wir „mussten“ 12 Jahre in Baden-Württemberg leben (Arbeit), aber im Urlaub nahmen wir die lange Fahrt an die Westküste von Jütland in Kauf um Wind, frische Luft, Meer und Dünen zu genießen. Nun leben wir wieder hier im Norden, dahin gehören wir!
    Seid 1976 machen wir Urlaub in Dänemark, für uns das zweite Zuhause. Hier kommen wir zur Ruhe in der wundervollen Natur.
    Jetzt sind wir Rentner und haben uns im Nov./Dez. 2021 einen kleinen Traum erfüllt: 4 Wochen ganz dicht an den Dünen in einem Ferienhaus zu leben. Das kann nicht Jeder nachvollziehen, es muss eine innere Einstellung vorhanden sein. Unser nächster Traum wird sich Ende dieses Jahres hoffentlich erfüllen: 6 Wochen da zu leben, wo es uns einfach gut geht – an der Westküste Dänemarks!
    Immer wieder schön etwas von dir zu lesen, gerade auch, weil wir Vieles schon kennen und erlebt haben.
    Mange hilsen Ute

    1. Kære Ute, herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ja, Dänemark ist eine Liebe, die einen nicht wieder loslässt. Es klingt wunderbar, dass ihr gleich für mehrere Wochen im Herzensland bleiben könnt. Das ist sicher eine wunderbare Zeit. Ich hoffe ihr lasst es euch da wieder richtig gut gehen, am Strand, vor dem Kamin und bei bester Gesundheit. Alles Liebe, Chris

  4. Dann einen guten Start in der neuen Heimat Kiel Chris!!!! An Deinen Bedenken, die Freude an der Schönheit der Landschaft durch den Alltag verlieren zu können, ist mit Sicherheit etwas dran. Meine Kindheit und Schulzeit habe ich in Lübeck verbringen können, bevor ich über Trier, Saarbrücken in der Nähe Berlins gelandet bin. Allein schon die Vorfreude auf Urlaubstage an der Nord- und Ostsee ist ungleich größer. Und wenn es dann endlich so weit ist und man den ersten Abend die Seeluft wieder einatmen kann, ist das ein sehr intensives und schönes Gefühl. Ich habe dies auch erst realisieren können, als ich meine Heimatstadt studien- und berufsbedingt verlassen musste. In diesem Sinne alles Gute in der neuen Lebenswelt und viele Grüße von Rüdiger

    1. Lieber Rüdiger, vielen Dank für deine lieben Wünsche. Es ist wirklich etwas ganz Besonderes, die Seeluft wieder schnuppern zu können. Ich finde auch, dass es noch einmal einen kräftigen Unterschied zwischen Ost- und Nordsee gibt. Auch wenn ich es hier an der Ostsee schon echt schön finde, ist es an der dänischen Nordsee noch einmal etwas ganz anderes. Und darauf freue ich mich wieder. Kærlig hilsen, Chris

      1. Ja, dass stimmt natürlich mit dem Unterschied Nord-/Ostsee. Diese Dünenlandschaft ist schon einzigartig über diese vielen Kilometer. Und so werde ich im Mai/Juni dieses Jahr Rømø und Hirtshals besuchen. Die Landschaft an der Ostsee ist dagegen vielfältiger und bietet auch herrliche Flecken, wie zum Beispiel die Mols Bjerge oder aber auch die Insel Møn. Und am 01.07. schaue ich auf „meinem“ Campingplatz Sanddobberne an der Westküste Sjællands vorbei (die 2. Etappe der Tour der France führt direkt am Platz vorbei). Verbunden mit Wanderungen auf den kleinen einsamen Inseln Nekselø und Serejø.
        In diesem Sinne viele Grüße an die Förde, Rüdiger

  5. Hallo Chris, es ist doch ein schönes Gefühl in die Nähe von 🇩🇰 gezogen zu sein. Viel Glück! Wir haben 1993 ernsthaft überlegt in die Nähe des Ringkøbing Fjord zu ziehen. Immer wenn wir einige Wochen wieder in Münster waren, fragte mein Sohn, wann wir denn endlich wieder nach Hause fahren würden. Unsere Kinder sind zweisprachig aufgewachsen, deutsch und dänisch. Wir haben unsere Pläne mit unseren dänischen Freunden besprochen. Zu der Zeit war die Arbeitslosigkeit recht hoch, daher haben wir , auch auf Anraten der Freunde den Schritt nicht gewagt. Heute bin ich darüber froh, u.a. die medizinische Versorgung ist hier besser. Wir leben auch hier in der deutsch/dänischen Gesellschaft die dänischen Traditionen und sind 2 x jährlich auf dem Holmsland Klit. Vielen Dank für Deine informativen Beiträge!!

  6. Moin Chris,
    Ich habe Deinen wunderbaren Blog erst gestern entdeckt bei den Vorbereitungen für unsere nächste Dänemark-Tour. Nun stehen wir mit unserem Wohnmobil direkt am Dünenaufgang in Hvide-Sande, genießen das noch kühle, aber sonnige Wetter und lassen die Seele baumeln. Auch wir sind vor nicht ganz fünf Jahren vom Südwesten Deutschlands (ursprünglich aus NRW) nach SH gezogen, um „den echten Norden“ das ganze Jahr genießen zu können. Wir wohnen in Sichtweite zum Hauke-Haien-Koog und damit nur 25 km vom von uns heiß geliebten Dänemark entfernt. Auswandern war und ist für uns keine Option.
    Wir werden Deinen Blog sehr gerne weiterhin verfolgen und wünschen Dir einen Guten Start in unserer Landeshauptstadt und weiterhin viele schöne Dänemark-Aufenthalte!
    Herzliche Grüße aus 🇩🇰
    Andreas

    1. Hej Andreas, was für eine schöne Stimmung da am Dünenaufgang von Hvide Sande. Herrlich! Die Nordseeseite von Schleswig-Holstein muss ich auch unbedingt noch entdecken. Da habe ich noch nicht so viel gesehen. Es ist aber wunderbar endlich auch hier oben zu sein. 😀 Habt noch eine wunderbare Zeit in Dänemark und es freut mich, dass dir und euch mein Blog gefällt. Hört doch auch mal in den Podcast rein. 😉 Bedste hilsner, Chris

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