Was es für mich bedeutet, in Dänemark zu sein

Es ist wieder soweit, ich brauche eine große Portion Dänemark. Der Bildschirmhintergrund auf meinem Rechner – ein Sonnenuntergang an der dänischen Westküste – reicht allein nicht mehr aus. Auch der Blick auf den Ringkøbingfjord als gefrorenes Hintergrundbild auf meinem Handy ist zu wenig. Es müssen langsam wieder Wellen sein, die sich bewegen, Möwen die den Abendgruß singen, während die Sonne in den glänzenden Weiten der Nordsee untergeht. Ich habe großen Dänemarkentzug.

Noch sind es ein paar Wochen, bis wir endlich im Morgengrauen die Stadt verlassen. Immer Richtung Norden. Meine Vorfreude führt dazu, dass sich meine Gedanken beinahe überschlagen. Wie war der Geruch unseres letzten Ferienhauses? Wie fühlt es sich doch gleich an, im frischen Meereswind zum Strand zu gehen? Den Tag zu starten, ohne eine einzige Verpflichtung zu haben? Klar weiß ich noch, wie all das ist. Wie es ist, so unendlich frei und glücklich zu sein. Das sind tief verwurzelte Gefühle.

Holz, Sonnencreme und salzige Meeresluft: der Duft einer glücklichen Kindheit

Die Weise, wie ich den Urlaub in Dänemark erlebe, hat sich gewandelt wie die Umstände meines Lebens. Meinen Eltern habe ich es zu verdanken, dass wir jeden Sommer meiner Kindheit an der dänischen Nordseeküste verbracht haben. Und oft sogar noch ein oder zwei Urlaubswochen im Frühjahr oder Herbst. Als Kind sind es die Tage am Strand, an denen die Eltern viel Zeit und keinen Stress hatten, die sich im Gedächtnis halten. Natürlich auch die riesigen, aufgeblasenen Hüpfkissen beim Købmand und das Abendbrot mit einer großen runden Scheibe Havarti-Käse auf Brot und salziger Butter. Der Geruch von Holz, Sonnencreme und salziger Meeresluft ist nicht nur der Duft der Ferienhäuser, sondern auch einer glücklichen Kindheit.

Mit den (Urlaubs-)Jahren schwand meine Begeisterung für Havarti-Käse und wich einem jugendlichen Heißhunger auf die roten Pølse. Die konnte es für meinen Geschmack an jedem Abend im Dänemarkurlaub geben. Abends ging es immer an den Strand um über all die Probleme eines Jugendlichen nachzudenken, die man eben mit dreizehn, vierzehn und fünfzehn Jahren so hat. Das Meeresrauschen wurde durch Kopfhörer und die Musik von Wolfsheim übertönt, die Füße aber waren im frischen Wasser. Kilometerweit hat die Nordsee meine Fußspuren wieder weggespült. Bis meine Sorgen gemeinsam mit der Sonne untergegangen waren und ich den leuchtenden Lyngvig Fyr im Rücken wieder Richtung Ferienhaus wanderte.

Was der Urlaub hinter den Dünen bedeutet

Nun bin ich nicht mehr Kind und Jugendlicher, sondern fahre seit einigen Jahren mit Olli nach Dänemark. Heute nehme ich kein Spielzeug mehr mit in den Urlaub, esse den Havarti-Käse wieder gern und höre nicht mehr allzu oft die Musik von Wolfsheim. Heute weiß ich, was meinen Eltern der Urlaub hinter den Dünen schon immer bedeutet hat.

Weil wir in der Nebensaison fahren weiß ich, dass unser nächstes Ferienhaus wohl nicht nach Sonnencreme riechen wird. Aber nach Holz und salziger Meeresluft. Und es gibt Matilde-Kakao zum Frühstück. Meine Gedanken drehen sich heute nicht mehr um die jugendliche Frage, ob ich jemals die große Liebe finden werde. Ich nehme sie inzwischen einfach mit an den Strand. Und meine heutigen Alltagssorgen, die sich noch zwischen das Gepäck geschlichen haben, können der Mächtigkeit des Meeres nichts entgegensetzen. Sie gehen immer noch mit der Abendsonne unter.

Eigentlich wollte ich nur über die Vorfreude auf den kommenden Dänemark-Urlaub schreiben. Heraus kam dieser doch sehr persönliche Text. Nun interessiert mich: Wie fühlst du dich mit Dänemark verbunden? Schreib es doch bitte in die Kommentare.

6 Kommentare

  1. Diesen Beitrag habe ich mit Genuss gelesen und habe mich mal so richtig verstanden gefühlt. Als Kind habe ich die Ferien an der deutschen Nordsee verbracht, und in Dänemark habe ich dieses längst vergessene Gefühl unendlicher Freiheit wiedergefunden. Es sind nur noch einige Wochen bis wir uns wieder auf den Weg machen mit Tochter und ihrer kleinen Familie und unseren Hunden.
    Wir hören oft die Frage: was gibt es dort? Unsere Antwort: nichts. Was macht ihr dort? Unsere Antwort: nichts! Aber davon können wir nicht genug bekommen!,

    • Hej Elke, schön, dass dir der Beitrag gut gefallen hat. Dieses Freiheitsgefühl ist auch einfach überwältigend. 🙂 Und vom “Nichts” habe ich auch schon so vielen Freunden und Kollegen erzählt. Das ist das beste am Urlaub in Dänemark. Habt eine schöne Zeit, wenn ihr wieder Urlaub hinter den Dünen macht.

  2. Anna Niesen

    Hallo Chris,

    ich habe selten etwas über Dänemark gelesen, was mir so aus der Seele gesprochen hat, wie Dein persönlicher Bericht. Ich bin jetzt 58 Jahre alt und schon ab Mitte der 60er Jahre mit meinen Eltern und Geschwister im Sommer nach Dänemark (meist Henne/Houstrup) gefahren und all meine Gefühle für dieses wunderschöne Land rekrutieren sich aus diesen Urlauben. Ja, und ganz besonders sind es die Gerüche (Ferienhaus, Meer, Salz, Sonnencreme) genau wie Du es beschreibst. Mit 16 Jahren habe ich mich im Urlaub dort in einen Dänen verliebt, alles super romantisch und wir haben uns drei Sommer lang immer wieder getroffen dort . Es hat natürlich nicht gehalten am Ende, aber es war eine der schönsten Lieben, die ich je hatte.
    Später dann fuhr ich auch mit meinem 1. Ehemann nach Dänemark, immer wieder Nordsee, erst ohne Kind , dann mit Kind. Dann kam Scheidung, als alleinerziehende Mutter hatte ich wenig Geld usw. An Dänemark war nicht mehr zu denken. Oder eben anders zu denken, als Sehnsuchtsland, ohne Aussicht auf Erfüllung. Es blieb immer etwas besonderes in Gedanken.
    Jetzt sind es über 20 Jahre, dass ich nicht mehr dort war. Die Sehnucht ist geblieben.
    Meine Tochter ist nun erwachsen, ich bin seit 3 Jahren wieder verheiratet, nun mit dem Mann meines Lebens. Nur er war noch nie in Dänemark!! Er meint, ich würde meinen Kindheitsträumen hinterherlaufen. Und vielleicht ist es auch so etwas wie eine Eifersucht, auf meine vergangene schöne Zeit dort. Aber er sieht auch, wie sehr mich jeder Bericht über “das gelobte Land” im TV mir die Tränen in die Augen treibt und wieviel Sehnsucht ich habe. Wir sind beide in Jobs, die mit sozialen Brennpunkten in unserer Stadt zu tun haben, und von mir aus ist es tatsächlich auch etwas wie die Sehnsucht nach einer heilen Welt im Urlaub, mein “Bullerbü-Gefühl” nenne ich es.
    Und nun fahren wir nächstes Jahr!!! Eine Woche im August! Wir haben uns geeinigt, es wird nicht der Ort meiner Kindheit, sondern bewußt ein anderer schöner Ort in einem Ferienhaus.
    Wir fahren nach Bornholm ins wunderschöne Svaneke! Haus ist schon gebucht und ich kann Dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich freue, auch wenn es noch lange hin ist.
    So werden Träume wieder wahr! ….Und übrigens , meine Tochter ist vor kurzem mit Clique auch in Dänemark gewesen….vielleicht habe ich damals auch bei ihr, den Grundstein zum Sehnuchtsland gelegt.
    Sei herzlich gegrüßt
    Anna

    • Liebe Anna, oh wie schön. Danke über deinen tollen und persönlichen Worte. Ich freue mich, dass du wieder nach Dänemark fährst und dem Mann deines Lebens dieses wundervolle Land zeigen kannst. Selbst wenn es Kindheitsträume sind: warum sollte man sie vergessen? Das geht nicht und es ist gut, die alten Gefühle wieder aufzufrischen. 🙂 Wer sehnt sich nicht nach den unbeschwerten Tagen? Ich hoffe, dass du auf Bornholm die Anna von früher wieder triffst und du mit deinem Mann eine wunderschöne Zeit hast. Alles Gute

  3. Karin Rademacher

    Das hast du schön geschrieben, genau so erlebe ich seit 32 Jahren Dänemark.
    Unsere jüngste Tochter sagte vor vielen Jahren beim ankommen: Alle Leute fahren in Urlaub, nur wir nicht, wir fahren nach Hause.

    • Liebe Karin, das hat deine Tochter aber wunderschön gesagt. 😀 Besser kann man es nicht formulieren. Wir fühlen uns auch jedes Mal, als würden wir Heim kommen. Danke für deinen Kommentar. Kærlig hilsen. 🙂

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