WADDEN TIDE – Eine Kunstausstellung an Blåvands Huk

Die Kulisse ist einzigartig: Zwischen hohen Dünen und Meer, nur einen Steinwurf vom Blåvand Fyr entfernt, hat sich das Kunstfestival WADDEN TIDE eingerichtet. Eine Galerie unter freiem Himmel. Zwölf internationale Künstler haben am Blåvands Huk ihre Installationen errichtet, die sich mit Kultur und Natur des Wattenmeers sowie der Flugroute von Zugvögeln von Norwegen bis nach Afrika beschäftigen. Dabei herausgekommen sind ganz unterschiedliche Kunstwerke, die auch aktuelle Themen rund um die internationalen Gewässer einschließen.

Wir haben die WADDEN TIDE Mitte September 2019 besucht und zu diesem Besuch nehme ich dich jetzt einfach mit. 🙂

Barfuß durch die Kunstausstellung

Es ist ein wunderschöner Spätsommertag, als wir mit dem Auto nach Blåvand fahren. Schon im Ort und in den vielen kleinen Geschäften kommen wir kaum um die WADDEN TIDE herum. Überall, zwischen Kassen und Souvenirs, liegen Flyer, die auf die “ortsspezifische Skulpturenausstellung am Wattenmeer” hinweisen. Rote Linien im Ausstellungslogo symbolisieren die Wanderroute von Vögeln, die eben auch hier, durch die westjütländischen Dünen ziehen.

Als wir auf den gut gefüllten Parkplatz am Blåvand Fyr fahren, steht die Sonne schon tiefer. Während einige Besucher erst einen Stellplatz suchen müssen, streifen andere schon oder noch durch die Dünen. Wir stellen unser Auto ab und ziehen uns die Schuhe aus. Wann immer es geht, laufen wir am Strand barfuß – und so schuhlos haben wir auch noch nie eine Kunstausstellung entdeckt. 🙂

Wir stecken die Köpfe in Holzkisten

Bosch & Simons, “Spring tide”

Gleich in der Düne finden wir die erste Installation des spanischen Künstler-Duos Bosch & Simons. Wir stecken die Köpfe in große Holzkisten und können sphärische Klänge hören, die durch den Wind entstehen. Genauer gesagt durch extrem lange Federn, an denen Metallplatten befestigt sind. Bewegen sich die Platten im Wind, geben sie Impulse in die Holzkisten und es beginnt zu klingen. Die Geräusche, so die Künstler, reisen wie die Vögel es tun und sollen vom Klang her an das Meer erinnern.

Erick Fourrier, “Ils vont, ils viennent”

Ausdrucksstärker ist da schon die Kreation des französischen Künstlers Erick Fourrier mit dem Namen “Ils vont, ils viennent” (Sie gehen, sie kommen). Wie ein Wrackteil ragt der Bug des Holzschiffes aus der Düne, löchrig aber kunstvoll. Es greift das Motiv der verlorenen Schiffe auf, die vor der dänischen Küste zuhauf sanken. Das Wattenmeer als verfluchter Ort, der vielen Seeleuten das Leben kostete, aber auch Handel und Wohlstand brachte.

In den Schnitten finden wir neben maritimen Motiven auch die Silhouetten von Menschen, die verloren treiben und ertrinken. Hände, die verzweifelt Halt suchen und so die Brücke zu heutigen Problemen schlagen.

Im Mittelpunkt steht das Wattenmeer

Ingrid Ogenstedt, “Gata”

Am Strand entdecken wir nun ein großes Tor aus Schilfrohr. “GATA” hat es die isländische Künstlerin Ingrid Ogenstedt getauft. Ein Tor zum Meer aus jenem Material, was man hier in der Region schon seit Jahrhunderten kennt und verwendet. “Gata” kommt übrigens aus dem Altnordischen und bedeutet so viel wie Weg oder Pfad.

Das WADDEN TIDE gab es bereits zwischen 2014 und 2016 im Rahmen des Wattenmeerfestivals. Nun ist es eine eigenständige Kunstausstellung geworden, die sich mit der Kultur und Natur des dänischen Wattenmeerraums auseinandersetzt. Zweck ist es laut Veranstaltern, mit Kunst Geschichten über die besonderen Gewässer des Wattenmeeres zu erstellen, die sowohl Nationalpark als auch Weltkulturerbe sind. Alle Skulpturen werden von den Künstlern vor Ort hergestellt. WADDEN TIDE 2019 ist/war vom 31.08. bis 29.09.2019 zu sehen – frei zugänglich.

Neue Perspektiven

Auf unserem Weg zwischen den Kunstwerken spüren wir den Sand unter unseren Füßen. Immer wieder schaue ich durch den Sucher meiner Kamera, schließlich sind viele der Installationen ein dankbares Motiv. Sie regen mich dazu an, mich noch einmal visuell mit dem Kunstwerk auseinanderzusetzen und die Bedeutung der Werke zu ergründen und für mich zunächst fotografisch zu interpretieren.

Strijdom van der Merwe, “Migration of an African phenomena”
Monique Bastiaans, “Seven valleys”

Bevor wir schließlich an die Infotafeln gehen, versuchen wir selbst zu erklären, was die Künstler mit ihren Werken ausdrücken wollen. Wie bei Britt Smelvær aus Norwegen. Sie hat Windsäcke und einen übergroßen Kompass an den Strand von Blåvands Huk gebracht.

Britt Smelvær, “Kompass”

Die norwegische Künstlerin setzt sich mit dem Thema Orientierung auseinander. Hat es wieder mit den Seemännern zu tun, die vor der Küste auf Orientierung angewiesen sind? Inwiefern können die Windsäcke den Weg weisen? Rote und blaue Säcke für die verschiedenfarbigen Nadeln des Kompasses? Auf der Tafel lesen wir davon, dass die Installation eine Hommage an die Vögel sei, die sich mithilfe von der Sonne und der Sterne orientieren. Der moderne Mensch hingegen setze dagegen hochentwickelte Technologien ein. Ein spannender Kontrast.

Spiegelbilder einer Insel

Gjøde & Partnere Arkitekter, “The desert island”

Sicher eine der beeindruckendsten Installationen ist für uns der übergroße halbkreisförmige Spiegel. Gjøde und befreundete Architekten haben hier eine Illusion geschaffen. Die Täuschung nämlich, auf einer einsamen Insel zu stehen. Als Betrachter hat man im Inneren des Hohlspiegels nämlich das Gefühl, von Wasser umschlossen zu sein. “The desert island” entfaltet dann seine ganze Wirkung.

Davon abgesehen staune ich darüber, wie die Künstler ihre Werke hier am Strand installiert haben. Dutzende zerbrechliche Spiegel, über zwei Meter hoch, müssen hier vier Wochen lang Wind, Wetter, Sand und Sturm trotzen. Hinter den Spiegeln verfängt sich bereits der Sand, die Natur ist immer nur eine Handbreit entfernt.

WADDEN TIDE – so viel zu entdecken

Leider kann ich nicht zu jedem der zwölf Kunstwerke etwas schreiben. Dafür zeige ich dir lieber noch ein paar Bilder, die während unseres Besuchs am Blåvands Huk entstanden sind.

Stäbe: Roger Rigorth, “Buoys”
Edgar Massul, “I remember the day I flew my country”
Hannah Streefkerk, “Cabinet of natural (vadehavet) memories”

Ganz ehrlich: ich finde das Konzept toll. Kunst unter freiem Himmel, im Hintergrund rauscht das Meer. Deshalb hoffe ich, dass WADDEN TIDE im kommenden Jahr eine Neuauflage erlebt. Wir werden dann ganz sicher wieder vorbei schauen.

Wie findest du das Konzept von WADDEN TIDE? Warst du vielleicht selbst vor Ort und hast die Ausstellung besucht? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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