Es sind kleine Oasen, gezimmert aus Holz oder gebaut aus Backsteinen, manche von ihnen tragen sogar ein Dach aus Reet. Die Rede ist von den traumhaften dänischen Ferienhäusern. Zu tausenden stehen sie im ganzen Land, meist nur einen Steinwurf vom Wasser entfernt. Und ihnen wohnen so viele Zauber inne: Erinnerungen an die Kindheit, an scheinbar endlose Familienurlaube oder romantische Ferien bei Kerzenschein und Wein. Auf die stilsichere Einrichtung können sich die Urlauber fast immer verlassen – meist reduziert skandinavisch und wohnlich durch schöne Einzelstücke und Dekorationen.

Die kleinen Häuser sind ein Ort der Ruhe und Entspannung, meist ist es nicht weit bis zum Meer, zum Fjord oder zum See. Wenn es stürmt oder regnet, dann bieten sie einen gemütlichen Unterschlupf für Kerzenschein, leckeres Essen, ein gutes Buch oder Brettspiele. Nicht nur für viele Dänen, sondern auch für uns deutsche Urlauber ist das Sommerhaus wie eine zweite Heimat. Und wie kein zweiter Ort steht das Ferienhaus für eine unbeschwerte Zeit und Zuflucht. Doch wie ist die Kultur der Sommerhäuser entstanden? Wer kam auf die Idee, die kleinen Hütten in den Dünen, im Wald, auf Inseln und an Seen zu errichten?

Raus aus den Städten, rein in die Natur

Die Geschichte der Sommerhäuser reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der dänische König Friedrich IV. wollte mit seiner Frau Königin Louise dem Alltagsstress und der royalen Hektik entfliehen. Da erinnerten sich die beiden an eine alte Jagdburg, die einst für Friedrich II. im Norden von Kopenhagen errichtet wurde. Königin Louise ließ das Schloss Hirschholm renovieren, um es künftig als Sommerresidenz nutzen zu können.

Schloss Hirschholm – J.J. Bruun/Public domain

Auch wenn ein ganzes Schloss recht wenig mit einem einfachen Sommerhaus zu tun hat, haben die Royals ein Konzept geschaffen: ein Rückzugsort vor den Toren der Stadt, an dem sich der Sommer genießen lässt. Dem wohlhabenden Bürgertum gefiel diese Idee und so bauten immer mehr reiche Städter Ferienhäuser nördlich der Hauptstadt: Sommerhäuser, die eher massiven Landhäusern glichen.

Von der Entdeckung der Meere

P. S. Krøyer – “Sommerabend am Skagener Strand”/Public Domain

Erst viel später – Ende des 19. Jahrhunderts – entdeckten die Dänen die Dünenlandschaften und Heidegebiete für ihre sommerliche Auszeit. Genauer gesagt waren es Maler, die von den Küstengebieten angezogen wurden. Die Künstler schätzten das besondere Licht der Strände und die Weite der Landschaft. Jeder, der schon einmal am Strand der dänischen Nordseeküste stand, kann das bestätigen. Die Maler zogen also nicht nur nach Skagen und Hornbæk um ihrer Kunst nachzugehen, sondern sie errichteten vor Ort auch einfache Hütten, in denen sie sich in den Sommermonaten niederließen.

Zu ihnen zählte Peder Severin Krøyer. Der dänisch-norwegische Maler schloss sich der Künstlerkolonie “Skagen-Maler” an. Ein paar Gleichgesinnte, die sich der Freiluftmalerei verschrieben hatten und für einen Umbruch in der dänischen Malerei sorgten. Standen bislang Weizenfelder und Buchenwälder im Mittelpunkt der Malerei, widmeten sich die Skagen-Maler neuen Motiven: die weiten Strände und Dünen, Heidelandschaften, aber auch Fischer und das Leben der einfachen jütländischen Bauern. Krøyers Bilder schafften es zu Weltbekanntheit. Etwa das Gemälde zweier Frauen am Skagener Strand. Um den Kreis zu schließen: Nachdrucke dieses Bildes sind noch heute in dem ein oder anderen Ferienhaus wiederzufinden.

Pack die Badehose ein

Von Hornbæk und Skagen breitete sich die Ferienhauskultur in fast ganz Dänemark aus. Parallel dazu entstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert auch zahlreiche Badehotels. 1884 öffnete beispielsweise das Badehotel in Søndervig und wurde zu einem richtigen Touristenmagneten. Es musste in den kommenden Jahrzehnten sogar mehrfach erweitert werden.

In den 1930er-Jahren bekamen die dänischen Arbeiter dann einen Anspruch auf bezahlten Urlaub. Zwei Wochen im Jahr, in denen sie dem Alltagsstress und der beruflichen Hektik entfliehen konnten. Raus aus den Städten und Städtchen, rein in die Natur. In der Umgebung ihrer Heimatorte errichteten die Arbeiter schließlich einfache Häuser auf großen Naturgrundstücken. Dieses kleine Glück wurde auch geteilt. Die Gewerkschaftsbewegung gründete ein Reisebüro, in dem die privaten Sommerhäuser zur günstigen Miete angeboten wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es dann einen richtigen Bauboom. Das lag auch daran, dass sich jetzt mehr Dänen ein Sommerhaus leisten konnten. Zwischen 1950 und 1980 wurden so viele Hütten wie nie zuvor gebaut. Das führte dazu, dass die dänische Regierung 1972 Regeln erlassen musste – beispielsweise wie nah Ferienhäuser an der Küste gebaut werden dürfen.

Wo gibt es die meisten Ferienhäuser?

In ganz Dänemark gibt es über 200.000 Ferienhäuser. Die stehen selbstverständlich überall dort, wo die Natur am schönsten und das Meer nur einen Steinwurf entfernt ist. Hauptsächlich auf Nordjütland, entlang der Westküste, im Norden von Seeland und auf Falster. Auf der Karte siehst du, in welchen Kommunen es die meisten Sommerhäuser gibt.

Zahl der Ferienhäuser nach Kommunen
Quelle: Statens Salgs- og Vurderingsregister (Stand: 2018)

Jedes fünfte dänische Ferienhaus steht in den seeländischen Kommunen Odsherred und Gribskov. Damit liegen sie praktisch im Einzugsgebiet der Hauptstadt. Die Kopenhagener fahren nur zwischen 40 Minuten und einer Stunde zu ihren Sommerhäusern an der Küste. Kein Wunder also, dass es hier besonders viele davon gibt. Ein lustiger Fakt: in Kopenhagen selbst gibt es auch registrierte Ferienhäuser. Es sind aber gerade mal vier Stück. Es mag daran liegen, dass die Natur so weit weg ist.

Im Juli und August – also der Haupt-Urlaubssaison – sind übrigens mehr als 40 Prozent aller dänischen Ferienhäuser vermietet. Die meist-besuchten Gemeinden sind Tønder, Varde, Bornholm und Ringkøbing-Skjern.

Wem gehören die Ferienhäuser?

Die klassischen Ferienhäuser gehören Dänen, die im ganzen Land leben. Im Jahr 2016 gab es rund 285.000 Ferienhausbesitzer – also mehr Besitzer, als es Häuser gibt. Das liegt daran, dass sich viele Dänen ein Sommerhaus teilen und es sozusagen gemeinsam besitzen.

Für die meisten gilt noch immer das Konzept: Raus aus der Stadt, rein in die Natur. Die meisten Ferienhausbesitzer kommen nämlich aus den Großstädten wie Kopenhagen oder Aarhus. Es gibt aber auch Dänen, die relativ nah an ihren Hütten leben. Beispielsweise in der Region Rinkøbing-Skjern. Dort wohnen einige Besitzer nur ein paar Kilometer von ihren Sommerhäusern entfernt – praktisch, wenn man nur mal übers Wochenende eine Auszeit nehmen will. Die dänische Statistikbehörde hat ausgerechnet, dass ein Ferienhausbesitzer durchschnittlich 79 Fahrkilometer entfernt von seinem Sommerhaus lebt. Jeder vierte von ihnen hat eine kurze Anfahrt von unter 25 Kilometern.

Und dann gibt es da noch eine Besonderheit: dänische Rentner, die das ganze Jahr über in ihrem Ferienhaus leben. Das betrifft rund 21.000 Häuser. So lässt es sich sicher ziemlich gut aushalten, oder? 🙂

Regeln für den Bau von Ferienhäusern

Viele der Ferienhäuser sind in einer Zeit entstanden, in denen es noch keine Vorschriften gab. Diese haben sich seit 1972 immer wieder geändert. Deshalb habe ich mal eine Übersicht über die aktuellen Regeln für den Bau von Ferienhäusern in Dänemark zusammengestellt:

  • das Baugrundstück muss mindestens 1.200 Quadratmeter groß sein
  • maximal 15 Prozent der Grundstücksfläche dürfen bebaut werden
  • das Haus darf nicht höher als 5 Meter sein
  • auf einer Küstenschutzlinie von 300 Metern dürfen keine neuen Häuser errichtet werden – Sondergenehmigungen können beantragt werden
  • hinzu kommen Bestimmungen aus lokalen Bebauungsplänen, die beispielsweise bestimmte Ziegelsteine vorschreiben oder den Bau einer zweiten Etage verbieten

Was kostet ein Ferienhaus?

Das kommt natürlich ganz darauf an, wo ein Ferienhaus liegt. In den Regionen um Aarhus und Helsingør sind die Preise mit rund 26.000 DKK je Quadratmeter (rund 3.500 Euro) am höchsten. Am günstigsten ist es in den Gemeinden Lolland und Struer. Hier kostet der Quadratmeter Ferienhaus etwa 7.900 DKK (rund 1.100 Euro).

Aber selbst innerhalb der Ferienhaussiedlungen gibt es größere Preisunterschiede. Umso näher ein Sommerhaus an der Küste liegt, umso teurer ist es auch. Weitere Faktoren sind Baujahr, Zustand, Baumaterialien, Ausstattung und so weiter.