Natur tut gut – das ist kein Geheimnis und dafür lieben wir Dänemark. Für die wilden Küsten, die schilfumwachsenen Fjorde und die herrlich duftenden Wälder. Doch auch in der Heimat können wir das spüren: bei einem ausgiebigen Waldspaziergang, einem Tag am See oder wenn wir an den duftenden Blüten von Blumen und Strächern schnuppern. Es sind sanfte Sinneseindrücke, wunderschöne Muster und natürliche Farben, die uns gut tun. Auch wenn wir heute viel Zeit vor Fernsehern und Computern, an Schreibtischen oder Werkbänken verbringen, sind wir trotzdem Geschöpfe der Natur geblieben und fühlen uns mit ihr verbunden. Studien zeigen immer wieder, dass Spaziergänge ins Grüne der körperlichen und seelischen Gesundheit gut tun. Wir sollen sogar zu einem besseren Körpergefühl finden, wenn wir uns regelmäßig in der Natur aufhalten.

Schau hin, es duftet so gut

Als wir vor ein paar Monaten umgezogen sind, wollten wir es ruhiger und grüner haben. Vorher wohnten wir an einer vielbefahrenen Straße. Der kleine Stadtpark hinter dem Haus wurde eines Tages radikal gerodet und wird nun mit einem Wohnkomplex zugebaut – Zeit zu gehen. Wir haben uns nach mehr Natur gesehnt und das auch gefunden. Wir wohnen immer noch in der Stadt, allerdings etwas weiter draußen. Nun stehen vor unseren Fenstern große Bäume, Linden und Birken. Wenn wir nach draußen schauen ist es, als ob wir im Baumhaus leben, weil wir direkt in die grünen Kronen schauen. Nur einen Katzensprung entfernt liegt außerdem ein riesiger Landschaftspark, den wir bei vielen Spaziergängen erkundet haben. Ganz bewusst haben wir den Frühling hier erlebt, an allerhand duftenden Blüten geschnuppert und dabei auch immer wieder an Dänemark gedacht. Auch wenn ich es früher immer als Nebensache abgetan habe: Es stimmt wirklich, hinsehen und auch riechen entspannt ungemein.

Kartoffelrosen kennt man aus Dänemark – dabei sind sie dort gar nicht heimisch

Nimm dir etwas Gutes mit

Als wir nun durch den Landschaftspark schlenderten, hat mir Olli von mundraub.org erzählt. Einer Internetseite, auf der Obstbäume und Sträucher verzeichnet sind, die sozusagen niemandem gehören und die irgendwo an Feldwegen, in Parks oder am Waldrand stehen. Auch Kräuter sind auf einer großen, interaktiven Karte verzeichnet. Äpfel, Kirschen, Quitten, Bärlauch, Holunder, Sanddorn, Heidelbeeren oder Hagebutten – auf mundraub.org findest du Pflückorte in deiner Nähe und Informationen darüber, wann die Früchte reif sind. Bei unserem Spaziergang sind wir immer wieder an riesigen Holunderbüschen vorbeigegangen und dachten uns: könnten wir uns daraus nicht einen leckeren Sirup machen?

Also haben wir uns beim nächsten Spaziergang einfach einen Korb und eine Schere mitgenommen und haben Blüten gesammelt. Was für ein tolles Gefühl, wenn wir den Sirup nicht fertig im Supermarkt kaufen, sondern uns in der Natur die Blüten auswählen und die Leckerei ganz selbst herstellen können. Ich habe mich daran erinnert, dass die klassische dänische Küche von dem inspiriert ist, was die Menschen damals zur Verfügung hatten: Fisch, Milchprodukte, viele Kräuter, einfache Kartoffelgerichte bis hin zu den Ursprüngen des Smørrebrøds. Es ist ein spannendes Unterfangen, wenn man sich darauf zurückbesinnt und selbst nimmt, was in der Natur verfügbar ist. Ich hatte das Gefühl, ein Bewusstsein für das zu erhalten, was wir sonst achtlos kaufen. Es macht ungeheuer Spaß gemeinsam loszuziehen, auszusuchen und das Gesammelte zu Hause weiterzuverarbeiten. Ja, es ist sehr hyggelig.

Unser Rezept für Hyldeblomstsirup findest du übrigens weiter unten.

Selbst pflücken, zupfen und hyggen

Hast du Lust bekommen, dir auch etwas aus der Natur zu holen? Dann immer los. Du rettest damit leckere Früchte davor, am Baum oder Strauch zu verfaulen und bekommst ein Gefühl dafür, was du eigentlich isst. Saison ist beinahe das ganze Jahr über – vom Bärlauch und Waldmeister im März bis zur Schlehe im Dezember. Wo es leckeres Obst oder Kräuter gibt, kannst du einfach selbst herausfinden. Halte beim nächsten Spaziergang die Augen offen und nimm dir vielleicht ein Bestimmungsbuch für Kräuter und Pflanzen mit. Andernfalls kannst du auch auf mundraub.org schauen, welche Sammel- und Pflückstellen es in deiner Nachbarschaft gibt. Für das Sammeln gibt es eigentlich nur noch ein paar einfache Regeln zu beachten:

Betritt ohne Erlaubnis keine fremden Grundstücke.
Teile den Standort von Kräutern und Früchten mit Familie und Freunden.
Achte auf die Natur und mache nichts kaputt.
Nimm dir nur so viel mit, wie du selbst verbrauchst.

So ein Sammelspaziergang kann auch ein besonderer Ansporn für Kinder sein. Gemeinsam könnt ihr Ausschau nach den gewünschten Früchten halten. Wer hat das kleine Körbchen schneller gefüllt? Kennen die Kleinen noch andere Pflanzen?

Zu Hause haben wir unsere Holunderblüten dann aus dem Korb genommen und sie verarbeitet. So haben wir uns die Dolden auch mal ganz genau angeschaut. Die kleinen, fünfblättrigen Blüten, aus der in kleinen Strahlen die Blütenstände herauswachsen. Beim Putzen duftete es schon herrlich und die Vorfreude auf unseren Sirup wurde langsam größer. In der ganzen Wohnung roch es nach Holunder. Es ist so gemütlich. Hier nun unser Rezept – zur Inspiration oder zum Nachmachen. 🙂

Rezept für Holunderblütensirup/Hyldeblomstsirup

Zutaten für etwa 2,5 Liter Sirup

  • etwa 25-35 große, vollreife Holunderblütendolden
  • Saft von 5 Bio-Zitronen
  • 2 kg Zucker
  • 2 Liter Wasser

Zubereitung

Die Holunderblüten sollten möglichst nur abgeschüttelt und ohne Wasser von Insekten und Schmutz befreit werden, damit der Blütenstaub nicht verloren geht. Gib die gereinigten Blüten anschließend in einen Topf oder in ein großes Gefäß. Füge den Zitronensaft und 2 Liter Wasser dazu. Nun musst die Mischung für gut zwei Tage bei Zimmertemperatur ziehen, damit die Blüten ihren Geschmack an das Wasser abgeben.

Anschließend seihst du das Holunderwasser erst durch ein Sieb ab und anschließend noch durch ein Küchentuch, damit auch die kleinsten Verunreinigungen herausgefiltert werden. Gib die Flüssigkeit in einen Topf und gib den Zucker hinzu. Koche das ganze auf und rühre dabei immer wieder, damit sich der Zucker gut auflöst. Köchle es solange, bis die Flüssigkeit etwas angedickt ist. Wenn es etwas abgekühlt ist, füllst du den Sirup in gut gereinigte Glasflaschen. Schon hast du den Geschmack der Natur – smag af naturen – eingefangen.

Wegen des hohen Zuckergehalts hält sich der Sirup für einige Monate. Am besten lagerst du ihn an einem dunklen und kühlen Ort oder verschenkst ein Fläschchen an deine Lieben.

Hast du auch Spaß daran, natürliche Zutaten selbst zu verarbeiten? Welchen Geschmack fängst du gern ein? Und findest du die Küchenarbeit dabei auch so hyggelig? Schreib es mir doch etwas weiter unten in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu lesen.