Chemisch belasteter Meeresschaum in Dänemark: Wie gefährlich ist PFAS?

Der Wind peitscht weiße Schaumflocken über die dänischen Sandstrände. Irgendwo springt ein Kind mit gelben Gummistiefeln kichernd von einem Schaumberg, in den nächsten. Und das kleine Stück Treibholz, das der Terrier-Mischling gleich seinem Besitzer zurückbringen will, landet – flupp – im weiß-gelben Schaum.

Wer schon einmal Urlaub am Meer gemacht hat, kennt die Gischt, die bei Sturm in der aufgewühlten See entsteht. Generationen von Urlaubern, Einheimischen, Kindern und Hunden stapften mal beschuht, mal barfuß durch die weiße Schaumwolken am Strand. Völlig unbesorgt. Doch Untersuchungen der dänischen Naturschutzbehörde lassen aufhorchen. Sie hat in mehreren Proben an der dänischen Nordseeküste hohe Konzentrationen der so genannten Ewigkeitschemikalie PFAS gefunden – und zwar nicht im Wasser, sondern im Meeresschaum. Die höchste Konzentration wurde am Strand der Nordseeinsel Rømø in Süddänemark gemessen.

Im Folgenden erfährst du, um was es sich bei PFAS eigentlich handelt, wo die Industriechemikalie genau vorkommt und wie du dich am besten vor ihr schützen kannst.

Was ist PFAS und wie gefährlich ist es?

PFAS ist die Abkürzung für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Ein Oberbegriff für tausende chemischer Verbindungen, die besonders häufig in der Industrie eingesetzt werden. Nämlich wegen ihrer besonderen Eigenschaften. PFAS-Verbindungen können nämlich sehr gut Fett, Wasser und hohe Temperaturen abweisen. Ideal für antihaftbeschichtete Pfannen und Töpfe, für wasserdichte Outdoorkleidung und auch für den Schaum in Feuerlöschern.

Das Problem mit PFAS-Verbindungen: Die Chemikalien bauen sich in der Umwelt nur sehr langsam ab. Sie lösen sich nicht in Wasser auf, werden nicht von Bakterien abgebaut und können nicht verbrannt werden. Allerdings kann sich PFAS im menschlichen Körper anreichern, etwa wenn es mit der Nahrung aufgenommen wird. Es dauert zwischen viereinhalb und beinahe neun Jahren, bis die Hälfte dieser Chemikalien den Körper wieder verlassen haben. PFAS stehen im Verdacht eine ganze Reihe gesundheitlicher Probleme zu verursachen – unter anderem:

  • erhöht das Krebsrisiko (beispeilsweise für Brust-, Leber- und Hodentumore)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • chronische Darmerkrankungen
  • Auswirkungen auf die Entwicklung ungeborener Kinder

Die Wissenschaft beschäftigt sich nach wie vor mit der Frage, wie PFAS genau im Körper wirkt. Allerdings kann gesagt werden, dass sich Mediziner und Chemiker einig sind, dass es sich dabei um einen giftigen Stoff handelt. Nicht umsonst gibt es inzwischen Grenzwerte für PFAS in Trinkwasser.

PFAS am Strand der dänischen Nordseeküste

Die dänische Naturschutzbehörde hat sich bei ihrer Studie aus dem August 2023 auf die Strände der dänischen Nordsee konzentriert, weil frühere Untersuchungen bereits ergeben haben, dass sich PFAS in hohen Konzentrationen vor allem im Meeresschaum nachweisen lässt. Und dieser Schaum entsteht besonders gut an der Westküste, wo der Wind besonders kräftig auf ziemlich breite Strände trifft.

Wie entsteht eigentlich der Schaum am Meer?
Dafür sind zwei Voraussetzungen nötig: Zum einen die Bewegung des Wassers, zum anderen verschiedene Substanzen wie Salze und Proteine, etwa aus abgestorbenen Pflanzenteilen. So lebt die Schaumalge beispielsweise in einer Gelatineschicht. Wenn Wellen an der Küste brechen, vermischt sich die Luft mit dem Wasser uns bildet kleine Bläschen. Die Gelatine der Schaumalge sorgt dafür, dass die aufgeschlagene Luft zu stabilem Schaum wird. An und für sich handelt es sich dabei nicht um eine Verschmutzung und der Schaum wird von Bakterien wieder abgebaut.

An elf Orten entlang der Westküste – von Skagen bis nach Rømø – hat die dänische Naturschutzbehörde verschiedene Proben genommen und untersucht. Das Erstaunliche: Während in den Proben vom Meereswasser nur geringe Belastungen von PFAS nachgewiesen werden konnten, lag der Wert beim Meeresschaum teilweise im astronomischen Bereich.

Damit du einen Vergleichswert hast: Der Grenzwert für PFAS in Badegewässern liegt in Dänemark bei 40 ng/l (Nanogramm je Liter):

Ort der ProbennahmeBadewasserMeeresschaum
Skagen8,00 ng/l36.000,0 ng/l
Hirtshals2,80 ng/l51.000,0 ng/l
Agger Tange1,60 ng/l150.000,0 ng/l
Thyborøn3,00 ng/l98.000,0 ng/l
Thorsminde6,20 ng/l37.000,0 ng/l
Husby1,90 ng/l17.000,0 ng/l
Esbjerg1,30 ng/l100.000,0 ng/l
Rømø4,60 ng/l250.000,0 ng/l
Daten: Untersuchung Milijøministeriet, Milijøstyrelsen, veröffentlicht am 4. Oktober 2023

Wie gefährlich ist die PFAS-Belastung?

Der direkte Kontakt mit Meeresschaum sollte vermieden werden

Die gute Nachricht zuerst: Baden ist in der Regel kein Problem, da die Belastungen im Salzwasser der Nordsee gering sind und konstant unter dem Grenzwert der dänischen Behörden lagen. Das gilt allerdings nicht für den Meeresschaum an der dänischen Westküste. Die dänische Behörde für Patientensicherheit empfiehlt, den direkten Kontakt mit dem Meeresschaum grundsätzlich zu vermeiden.

„Es gibt nur sehr wenige Studien über den PFAS-Gehalt in Meeresschaum, aber die die durchgeführt wurden, haben alle gezeigt, dass er hohe Konzentrationen von PFAS enthalten kann“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Kurzfristiger und vorübergehender Kontakt mit Meeresschaum stelle kein akutes Gesundheitsrisiko dar. Im Falle eines Kontaktes sollte man die Haut aber gründlich mit sauberem Wasser waschen, heißt es weiter.

Vorsicht ist übrigens auch für Hunde geboten: Lasse sie nicht durch den Meeresschaum springen und dusche sie notfalls im Ferienhaus gründlich ab.

Die dänische Naturschutzbehörde beschäftigt sich übrigens gerade mit der PFAS-Problematik. Erste Empfehlungen sollen Ende 2024 vorgestellt werden.

Chris

Wind in den Haaren, ein Softice in der Hand und die Gischt im Gesicht, glücklicher kann ich kaum sein. Deshalb blogge ich hier auch über meine Leidenschaft - über Dänemark. Kultur, dänische Gerichte, Urlaubstipps und viel mehr findest du auf diesem kleinen Stück Dänemark im Internet. Außerdem begrüße ich in meinen Podcasts regelmäßig Menschen und schnacke mit ihnen über das Königreich. Ich hoffe, dass dich klitly genauso glücklich macht, wie mich.

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2 Gedanken zu “Chemisch belasteter Meeresschaum in Dänemark: Wie gefährlich ist PFAS?

  1. Hallo Chris,
    meine Güte! Da bin ich jetzt echt erschrocken…wie oft liefen bereits Kinder und Hunde durch den Schaum oder fingen Meeresschaum ein. Auch das Stöckchen, das der Hund aus dem Schaum fischt, kam oft vor. Und das im hyggeligen Dänemark!!! Weisst du etwas über die Belastung an anderen Orten? Sind die Zahlen aktuell?
    Und vor allem auf Rømø? Gibt es da eine Erklärung dafür?
    Nachdenkliche Grüße aus dem Süden.
    Susanne

    1. Hej liebe Susanne,
      auch wir liefen früher durch den Schaum, die Hunde hatten ihn auf ihrer Nase… Das geht wohl sehr vielen so. Allerdings besteht keine direkte gesundheitliche Gefährdung. Man sollte allerdings trotzdem vorsichtig sein. Die Zahlen aus Dänemark sind ziemlich aktuell. Die Proben wurden im September 2023 genommen.

      PFAS ist ein weltweites Problem – auch in Deutschland. Das zeigen auch Recherchen, die die Tagesschau im Februar 2023 veröffentlicht hat.

      Ich hoffe, das hilft dir weiter.
      Chris

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