Kultur im Dänemarkurlaub: ein Besuch im ARoS-Kunstmuseum Aarhus

Die langen Spaziergänge an den dänischen Sandstränden tun wirklich sehr gut. Vor allem bekommt man zwischen rauschender See und Strandgras den Kopf mal so richtig frei. Es kommt mir immer vor, als ob die Seeluft alle Sorgen und Zweifel davontrüge. Es ist ein befreiendes Gefühl. Eine derartige seelische Gelassenheit macht mir wieder Lust, neue und inspirierende Sichtweisen zu erfahren. Da bietet sich ein Besuch im Kunstmuseum wunderbar an. Wir haben das ARoS in Aarhus vor einziger Zeit besucht – und waren völlig begeistert.

“The Boy” von Ron Mueck

Überzeugt hat uns die wirklich große Abwechslung innerhalb des Hauses. Es ist einfach für jeden Kunstliebhaber etwas dabei. Im Untergeschoss warten große, raumfüllende Installationen internationaler Künstler. In den oberen Etagen gibt es Galerie-Räume, in denen Gemälde und Skulpturen aus über 300 Jahren dänischer Kunst ausgestellt sind. Zwischen Keller und Obergeschoss werden laufend wechselnde Ausstellungen präsentiert, die häufig experimentell und vor allem groß sind. Da verwandeln sich ganze Räume in überwältigende Szenen, mal muss man die Ohren an eine riesige Betonwand pressen, um den Sinn des Kunstwerkes zu verstehen und vor allem zu erleben. Bis der Besuch schließlich auf dem Museumsdach mit einem schönen Erlebnis endet: ein ganz besonderer Blick auf Dänemarks zweitgrößte Stadt, Aarhus in allen Farben.

Wie man das ARoS-Kunstmuseum erlebt und was man zu sehen bekommt, hängt natürlich in wesentlichen Teilen von den aktuellen Ausstellungen ab. Einige Ausstellungsstücke wie die Skulptur “The Boy” von Ron Mueck sind ganzjährig zu sehen, andere nur in bestimmten Zeiträumen. Informiere dich deshalb vorher auf der Internetseite des Museums über die laufenden Ausstellungen.

Zeit, für überraschende Erfahrungen

Es bietet sich an, das ARoS-Museum vom Keller aus zu erforschen. Hier befinden sich auf einer ganzen Ebene vor allem Installationen, die Raum, Licht, Spiegelung, Klang und Wandel nutzen, um die Betrachter völlig zu umschließen. Ruhige Stimmungen, aufregende Spiegelungen und dieses elende Gefühl, viel zu spät zu einer Party gekommen zu sein. All das lässt sich nicht nur von außen betrachten, sondern erleben. Es ist ein aufregender Auftakt und zugleich eine wahre Freude für jene wie mich, die sich für diese Kunstform begeistern.

Da wäre zum Beispiel die bizarre Kulisse des “The Mirror”. Eine Diskokugel dreht sich im Scheinwerferlicht, die Musik dröhnt aus den Boxen, überall stehen leere Bierflaschen herum und die Aschenbecher quellen über. Nur eine Kleinigkeit fehlt: die Gäste. So langsam beschleicht dich das Gefühl, dass du wohl zu spät bist und eine rauschende Nacht in diesem Club verpasst hast. Natürlich passt die Musik genau zu diesem langsam aufkeimenden Verdacht. Kein Wunder, die Künstler “Elmgreen & Dragset” haben nicht nur das Szenario gestaltet sondern die Musik dazu geliefert.

Die Ausstellung auf der Ebene 0 heißt “The 9 Spaces”, also “Die neun Räume”. Künstler aus aller Welt zeigen hier einzigartige, teilweise nur für das ARoS gestaltete Installationen. Du kannst hier in nur acht Minuten einen ganzen Tag in “der Nachbarwohnung” erleben, lässt dich von roter Farbe ganz einhüllen oder lauschst einem sprechenden Stein. Lass dich in neun völlig andere Welten entführen.

Das Leben auf der anderen Seite der Mauer

Unser Besuch des ARoS liegt nun schon wieder ein paar Monate zurück und trotzdem sind mir einige Exponate und Installationen besonders in Erinnerung geblieben. So betraten wir unvoreingenommen einen großen, abgedunkelten Raum, in dem man kaum die Hand vor Augen sah. Die Wände bestanden aus schwarzen Stoffbahnen. Obwohl sich wirklich nichts weiter in diesem Raum befand, waren wir von einer großen Ehrfurcht erfüllt. Es grollte, knackte und donnerte in die dunkle Stille hinein. Mal war es eher ein sanfteres Reißen, was sich jedoch in Windeseile in ein dumpfes Grollen verwandelte. Zu hören waren die Töne von Gletschern, die sie bei ihren Bewegungen machen. Besonders war auch, dass der Fußboden sozusagen als Resonanzkörper diente, weswegen die Geräusche nicht allein für sich standen, sondern auch auf der körperlichen Ebene zu spüren waren. Es scheint nur der Hauch einer Ahnung zu sein, welche Kräfte im (ewigen) Eis der Pole herrschen.

Diese Installation gehörte zur Ausstellung “All & Nothing” des noch recht jungen dänischen Klangkünstlers Jacob Kirkegaard. Es sind nicht bloß Geräusche und Atmosphäre, die Kirkegaard ins ARoS gebracht hat. Er hat sich für jede Installation etwas Besonderes einfallen lassen. Wie diese riesige Betonmauer, die als grauer Klotz im Raum stand.

Ihr Geheimnis konnte ich erst entdecken, als ich mich ihr näherte und mein Ohr fest an den kalten Beton drückte. Ich hörte plötzlich Motorräder und laute Gespräche. Es schien, als sei dort ein emsiges Treiben, auf der anderen Seite der Mauer. Es handelte sich um Originalaufnahmen von beiden Seiten der israelischen Sperranlagen im Westjordanland, die direkt in die Ohrmuschel drangen. Die politische Botschaft dieses Kunstwerkes ist so eindringlich, wie subtil.

Teil der Ausstellung “No Man is an Island”

Stücke aus einer der größten dänischen Kunstsammlungen

Neben den wechselnden Ausstellungen gibt es jederzeit viele Stücke zu sehen, die aus den eigenen Sammlungen stammen. Das ARoS-Museum besitzt immerhin die größte dänische Kunstsammlung außerhalb Kopenhagens. Vor allem in den oberen Stockwerken befinden sich große Ausstellungsflächen, die vornehmlich Gemälden und Skulpturen vorbehalten sind.

Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich ein wahrer Banause bin, was Gemälde angeht. Allerdings gibt es im ARoS in der Regel eine spannende Auswahl an Bildern zu sehen. Sie sind abwechslungsreich, bunt und durchaus kurzweilig. Kein Vergleich zu manch anderer Kunstsammlung, in der man sich schon nach einer halben Stunde an den Klassikern satt gesehen hat.

Teil der Stoff-Instalation “Valkyrie Ran” von Joana Vasconcelos im ARoS-Museum Aarhus

Daneben ist das Gebäude bereits eine kleine schlichte Schönheit. Die Treppen, Aufzüge und Gänge sind allesamt sehr ausladend und wie es sich für ein Kunstmuseum gehört, weiß und unaufgeregt.

Allerdings sind es wiederum Formen, die verschiedene Sichtachsen schaffen und der Architektur eine gewisse Dynamik geben. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuches die 50 Meter lange und äußerst farbenfrohe Textil-Installation “Valkyrie Ran” der portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos im Atrium aufgehängt war. So lies sich auf den Wegen zwischen den einzelnen Ausstellungen und Bereichen des Museums auch dieses große Kunstwerk Stück für Stück entdecken.

Am Ende des Museumsbesuchs liegt ein Regenbogen

Unser gesamter Besuch im ARoS lässt sich in so einem kleinen Blogartikel gar nicht wiedergeben. Wir waren beeindruckt von so manchem Original, was wir hier nicht vermutet hätten, haben uns Zeit genommen für die Filme, die hier und da gezeigt wurden und wir konnten es gar nicht erwarten, den Museumsbesuch abzuschließen. Nicht etwa, weil es sonst so langweilig war, sondern weil wir uns auf die wohl größte und begehbare Installation des Hauses gefreut haben. Den Regenbogengang auf dem Dach des Hauses.

Aus dem 150 Meter langen gläsernen Gang heraus, hat man einen wunderbaren Blick über Aarhus, bis zu den Hafenanlagen und der Ostsee. Wie es der Name “Your Rainbow Walk” des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson schon verspricht, ist es ein ziemlich farbenfroher Spaziergang, den wir da auf dem Museumsdach zurückgelegt haben. Ich war so begeistert, dass ich gleich vier oder fünf Runden gedreht habe. Magst du einmal mitkommen? Dann schau dir doch einfach das Video hier an. 🙂


Ein paar Meter unterhalb kann man schließlich noch einen ganz normalen Blick auf Aarhus werfen. Von der Dachterasse aus hat man einen ebenso tollen Blick auf die Stadt und kann sich auf einer der Bänke von all den Eindrücken erholen.

Praktische Tipps für einen ARoS-Besuch

Es ist ratsam, sich im Internet zu informieren, welche Ausstellungen aktuell im ARoS zu sehen sind. Eine Übersicht findet sich auf der Internetseite des Museums. Hier gibt es außerdem ein Archiv mit allen vergangenen Schauen und einen Ausblick.

Blick über die Aarhuser Innenstadt in Richtung Hafen

Die Öffnungszeiten des Museums sind sehr besucherfreundlich. Es hat von Dienstag bis Sonntag immer von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Am Mittwoch sogar bis 22 Uhr abends. Montag ist Ruhetag. Für einen Besuch solltet ihr in jedem Fall mehrere Stunden Zeit einplanen, um euch alles in Ruhe ansehen zu können. Gelegentlich gibt es Filme zu sehen, die allein schon eine längere Zeit in Anspruch nehmen.

Die Eintrittspreise sind wie in vielen dänischen Museen nicht gerade günstig. Allerdings finde ich, dass für die Kronen auch ziemlich viel geboten wird.

  • Erwachsene: 135 DKK (ca. 18 Euro)
  • unter 31 Jahren: 105 DKK (ca. 14 Euro)
  • Studenten: 105 DKK (ca. 14 Euro)
  • Kinder unter 18 Jahren: gratis

Darüber hinaus gibt es im Museum einen Shop sowie ein Café und ein Restaurant mit Frokost-Angeboten. Mittwochs gibt es zusätzlich ein recht preisintensives Abendessen. Wir selbst waren vor dem Museumsbesuch in der Aarhuser Innenstadt einen Burger essen.

Warst du schon einmal im ARoS? Oder gibt es ein anderes Kunstmuseum, welches dich im Dänemark-Urlaub begeistert hat? Schreib es doch in die Kommentare.

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