Eigentlich freue ich mich über Post aus Dänemark. Meist sind es Mails, die ein paar Bilder von Meer oder Heide enthalten, mal sind es Rezeptideen oder der Touristenverband hat mal wieder Gründe aufgelistet, warum Dänemark auch im Frühjahr, Herbst und Winter eine Reise wert ist. Es gibt aber auch Mails, über die ich mich ärgere und die kommen ausgerechnet von unserem liebsten Ferienhausvermieter.

Da ist schon im Betreff die Rede von Fünf-Sterne-Häusern, von neuen Traumhäusern mit Meerblick und vom “erstklassigen und sehr exklusiven Ferienhausurlaub” an der dänischen Nordsee. Das jagt mir einen erstklassigen Schauer über den Rücken. Nicht nur, dass jede freie Fläche mit viel Beton und Glas zugebaut wird. Es ist ein Wandel, der für mich so gar nicht mit dem gemütlichen Urlaub hinter der Düne zusammengeht.

Wenn Natur, Dünen und Nordsee nicht mehr reichen

Ich will wahrlich niemandem zu nahe treten, aber seit wann fährt man nach Dänemark, um einen “sehr exklusiven Urlaub” zu verbringen? Da denke ich eher an Skiurlaub in St. Moritz oder Jetset in Monaco, nicht aber an Wanderungen in der Dünenheide und einen Hotdog am Pølsevogn. Wahrscheinlich ist es auch die Angst, die da aus mir spricht. Furcht davor, dass sich das Dänemark, wie wir es lieben, zu stark verändert.

Denn neben den neuen Luxushäusern, die immer häufiger zwischen den gemütlichen, älteren Holzhäuschen auftauchen, wird auch anderswo kräftig investiert. Beispiel Søndervig am nördlichen Zipfel des Ringkøbing Fjords. Hier entsteht bis 2021 ein “Lalandia” Ferienpark mit 483 Ferienwohnungen inklusive Nordeuropas größtem Badeland. Die Idee dazu hatte der Besitzer des örtlichen Supermarkts Keld Hansen. Er sagte der Jyllands Posten, dass viele wegen der Natur, der Sanddünen und der Nordsee kämen, dass die Ansprüche in den letzten 20 Jahren eben gestiegen seien. Natur, Sanddünen und Nordsee reichen offenbar nicht mehr aus.

Was sagt die dänische Regierung dazu? Die hat für das Projekt sogar neue Ferienhausgebiete ausgewiesen und eine Ausnahmegenehmigung erteilt, dass Ferienhäuser im Küstenschutzstreifen gebaut werden dürfen. Das erhoffte Ziel: jährlich eine Million Touristen zusätzlich nach Søndervig zu locken. Das sind durchschnittlich 19.000 Urlauber pro Woche. Es wird enger werden am Ringkøbing Fjord.

Worum es im Dänemark-Urlaub eigentlich geht

Wundervolle Momentaufnahme: Sonnenaufgang aus dem Küchenfenster

Lass mich noch einmal auf den “sehr exklusiven Ferienhausurlaub” zurückkommen. Klar ist exklusiv nur ein Wort der Marketingabteilungen um zahlungskräftige Kunden anzusprechen. Per Definition bedeutet es aber nicht nur so viel wie vorzüglich, sondern auch “sich abgrenzen”, “sich gesellschaftlich abhebend”. Ehrlich gesagt sind das nicht die Attribute, die ich mit Dänemark in Verbindung bringe.

Statt an Außenwhirlpools, Massageliegen und Billardtische denke ich da lieber an hunderte Menschen, die gemeinsam verfolgen, wie der alte Rudbjerg Knude versetzt wird. Oder an den alten Dänen, der eines Tages einfach bei uns im Ferienhaus saß und uns seine halbe Lebensgeschichte erzählte. Ich denke an all die Urlaubsfreundschaften, die ich als Kind geschlossen habe und an den Schweinswal, der im letzten September ganz nah an uns vorbei geschwommen ist. Es sind nicht die exklusiven Erlebnisse, die Dänemark zu etwas besonderem machen, sondern die inklusiven.

Ein Haus voll Zeit

Ein einfaches dänisches Ferienhaus

“Zeit ist der moderne Luxus” habe ich neulich in einem Artikel über nachhaltige Ferienhäuser gelesen. Ein junger Architekt hat alles auf das Wesentlichste reduziert. Nur zwei Betten, ein Ofen und hohe Fenster, die den Blick auf die Natur lenken. Den verbleibenden Raum füllen die Bewohner mit sich selbst. Das hat mich zum nachdenken angeregt.

Für uns steht die dänische Natur im Mittelpunkt. Sie ist der Grund, warum wir hier her fahren. Um stundenlang am Meer zu stehen und den Wellen beim brechen zuzuschauen, die kleinen Seen und Wälder zu entdecken und um unter freiem Himmel zu picknicken. Natur, Dünen und das Meer sind der Luxus, den wir suchen und den wir hier bekommen.

Perfektionismus ohne Charme

Gehen wir bald in Kolonnen zum Strand?

Uns reicht ein sauberes Ferienhaus mit gemütlichen Betten, einem Kamin und großen Fenstern zur Terrasse hin. Hier kann man zu sich finden. Klar ist ein Ausflug ins Badeland schön, aber es ist nicht der Kern des Urlaubs. Es geht darum ein paar Gänge zurück zu schalten. Dem Partner, den Kindern oder Haustieren die Aufmerksamkeit zu widmen, die sie verdienen. Es geht darum in einen natürlichen Rhythmus zu finden, den man daheim vielleicht verloren hat.

Wenn nur noch Luxushäuser entstehen, die perfekt ausgestattet, aber dafür beliebig eingerichtet sind, gehen Charme und Gemütlichkeit verloren. Nicht nur das: wer kann sich die Mieten für diese Häuser noch leisten? Bleibt dann nur noch der Weg ins Lalandia, um von den hundertfach gleich eingerichteten Ferienwohnungen aus in Massen zum Strand zu pilgern? Eine Horrorvorstellung.