Kerzen gehören für die Dänen zu allen Jahreszeiten. Doch gerade in der Weihnachtszeit zünden sie besonders viele davon an. Die Sonne geht im Winter schnell unter und so holen sich die Menschen das Licht einfach in die Stuben. Zur Julehygge gehören auch die so genannten Kalenderkerzen. Sie sind wirklich etwas besonderes und deshalb nehmen wir uns in jedem Jahr eine solche Kalenderlys mit nach Hause. Am letzten Wochenende konnten wir sie endlich aufstellen.

Jeden Tag ein wenig “Kerzenhygge”

Kalenderkerzen sind so etwas wie Wachs gewordene Vorfreude – eine Analogie zum Schoko-Adventskalender, den es natürlich auch in Dänemark gibt. Nur, dass hier eben keine Schokolade die Zeit bis zum Heiligen Abend verkürzt, sondern Gemütlichkeit. Genauer gesagt Hygge bei Kerzenschein.

Die hohen Kerzen sind von oben bis unten durchnummeriert – von der 1 bis zur 24. Jeder Abschnitt steht natürlich für einen Tag im Dezember, das Ziel ist also der Weihnachtstag. Unsere diesjährige Kerze ist in Pyramidenform und so dauert es jeden Tag ein bisschen länger, bis es das Licht zur nächsten Zahl geschafft hat. Es gibt aber auch einfache Stabkerzen, an denen jeder Abschnitt gleich lang und breit ist. Wir haben es uns zur Tradition gemacht, die Kerze jeden Tag zum Abendessen und am Wochenende zum Kaffeetrinken anzuzünden. Wann immer wir eben zusammenkommen.

Ein Kalender auf der Kerze

Die Kalenderkerzen sind eine relativ neue Tradition. Ihre Geschichte beginnt um das Jahr 1900, als es in den dänischen Schulen üblich war, die Tage bis zum Weihnachtsfest zu zählen. Eine gute Übung für die Schüler, um sich die Zahlen besser einzuprägen. Daheim hatten die Jungen und Mädchen häufig kleine, selbstgemachte Kalender. Hinter den Türchen gab es bunte Bilder und oft bestanden die Kalender auch aus kleinen Kerzen, die angezündet wurden. So kam die dänische Schriftstellerin Lis Byrdal wohl auf die Idee, den Kalender auf die Kerze zu bringen.

In ihrem Buch “Smaa Fester – glade Gæster” (“Kleine Feste – glückliche Gäste”) schrieb sie über die erste Kalenderkerze.

“Eine Idee für Kinder ist es, eine schmale Kerze mit 23 dünnen, schwarzen Tintenkreisen einzuteilen. Ab dem 1. Dezember brennt man sie jede Nacht ein bisschen ab, immer bis zur nächsten Linie.”

Lys Byrdal im Buch “Smaa Fester – glade Gæster”

Am Weihnachtstag sei die Kerze schließlich heruntergebrannt und dann würde der ganze Baum leuchten.

Kerzenlicht während der dunklen Besatzungszeit

Während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg wurden die Kalenderlys erstmals industriell hergestellt. Zur Weihnachtszeit 1942 gingen sie also erstmals in großer Zahl über die dänischen Ladentische. Häufig wurden die Kerzen mit Tannenzweigen oder getrockneten Zapfen geschmückt.

Die besondere Beziehung der Dänen zum Kerzenlicht wird übrigens auch sprachlich deutlich. Denn das Wort lys – gesprochen wie lühs – hat gleich mehrere Bedeutungen. Es steht sowohl für das Licht, als auch für Kerzen. Und dann gibt es da noch das levende lys, das lebendige Licht. So bezeichnen die Dänen brennende Kerzen. Was für eine hyggelige Bezeichnung, oder?

[dark_box]Die Kalenderlys sind eine wirklich schöne Tradition – en dejlig tradition. Hast du denn zu Hause auch eine solche Kerze? Oder kaufst du dir im nächsten Dänemark-Urlaub deine eigene Weihnachtskerze? Was hälst du von dieser Weihnachtstradition? Schreib es in die Kommentare.[/dark_box]