Der Nationalpark Mols Bjerge in Djursland ist eine ganz besonderes Stück Dänemark. Die letzte Eiszeit hat hier eine Gegend geschaffen, die für das flache Dänemark bemerkenswert hügelig und dynamisch ist. Von kleinen Tälern geht es hinauf zu langgezogenen Moränen um kurz drauf wieder abzuflachen. Zwischen den vielen Waldstücken grasen im Sommerhalbjahr Kühe und Schafe in der Sonne. Wenn du diese Landschaft auf einen Blick bewundern möchtest, dann bietet sich eine Wanderung auf den Agri Bavnehøj an. Mit 137 Metern ist das die höchste Erhebung in Mols Bjerge und bietet ein wunderschönes Panorama – auf zahlreiche Buchten, auf Hügelgräber, über Wälder hinweg und bis nach Aarhus und sogar Samsø.

Vom Parkplatz aus kannst du dich entscheiden, ob du eine etwa 8 Kilometer lange Wanderung durch den Ort Agri bis zum Bavnehøj unternehmen magst oder ob es der direkte “Aufstieg” sein soll. Aber keine Sorge: Im Vergleich zu den hohen Treppen an den dänischen Steilküsten, ist dieser kurze Aufstieg eher entspannt. Bevor du startest, kannst du dich am Parkplatz noch einmal stärken. Hier findest du zahlreiche Picknick-Bänke, die zum Teil auch überdacht sind. Außerdem gibt es hier frei zugängliche Toiletten.

Ein praktischer Begleiter auf deiner Tour ist die App des Nationalparks Mols Bjerge – dort findest du auch weitere Informationen zur Wanderroute. Außerdem gibt es viele Informationen zu den Sehenswürdigkeiten des Nationalparks auch in deutscher Sprache.

Agri und der höchst gelegene See Dänemarks

Auf der Anfahrt zum Parkplatz wirst du es schon gesehen haben – das kleine Dörfchen Agri ist wirklich liebenswert. Die vielen kleinen Fachwerkhäuser, die typisch weiße Kirche und der wunderschöne See laden zum Träumen ein. Wie wäre es wohl hier zu leben? Ruhig in jedem Fall. Dabei ist der See eine geografische Berühmtheit. Er liegt 97 Metern über dem Meeresspiegel und ist damit der höchste See des Landes. Entstanden ist er aber nicht, wie man nun meinen könnte, in der letzten Eiszeit. Die liegt über 10.000 Jahre zurück, der See ist aber geologischen Forschungen der Universität Aarhus nach erst 2.000 Jahre alt. Warum das so ist, wissen die Forscher selbst nicht so genau. Dafür lässt sich bei “Is På Toppen” am Nordufer ein leckeres Eis essen. Eine gute Stärkung für die Wanderung.

Die Dänen vermessen ihr Land

Blick Richtung Ebeltoft Bucht
Eine unspektakuläre Übersetzung: “Dieser Stein und das umliegende Gelände in 2 m Entfernung sind geschützt. Insbesondere ist es verboten, ein Feuer darauf oder in der Nähe anzuzünden.”

Landschaftlich ist die Wanderung über die Rückseite des Bavnehøj sehr reizvoll. Solltest du nicht so viel Zeit haben, dann bietet sich auch der steilere Weg direkt vom Parkplatz aus an. Oben angekommen markiert ein Messstein den höchsten Punkt. Von hier aus hast du eine wundervolles 360-Grad-Panorama über die Halbinsel Djursland, die Wälder von Mols Bjerge und die Buchten bis hinaus auf die offene Ostsee. Siehst du in der Ferne den Dom von Aarhus? Ein Kompass aus Metall, direkt auf dem Messstein, hilft dir markante Punkte in der Umgebung zu finden.

Der Agri Bavnehøj war übrigens mal Dänemarks Nullpunkt. Daran erinnert noch heute der angesprochene Messstein. Von hier aus wurde in den 1930er Jahren das Land mithilfe des Koordinatensystems “System 34” vermessen. Damit waren erstmals alle landeseigenen Koordinaten im positiven Bereich. Der Hügel entspricht zwar nicht dem genauen Mittelpunkt des Landes (ohne Bornholm), aber er kommt dem nahe.

Bavnehøj – Das Lagerfeuer auf dem Hügel

Hinter dem Namen Bavnehøj steckt noch eine sehr interessante Geschichte. Ein “Bavn” ist das alte Wort für einen brennenden Holzstapel oder auch ein Lagerfeuer. Befindet sich dieses Lagerfeuer auf einer Anhöhe, einem Berg oder Hügelgrab – also in der Höhe – dann wird daraus ein Bavnehøj, das weithin sichtbar ist. Ähnlich den Leuchttürmen, wie wir sie heute können.

Das klingt jetzt vielleicht ziemlich romantisch, doch die Bavne waren weder Stimmungslichter noch dienten sie der Orientierung. Sie waren ein Warnsignal der Wikinger. Näherten sich Feinde der Küste, dann wurden die Feuer auf verschiedenen Hügeln entzündet, um die Menschen zu warnen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein lag auf Agri Bavnehøj jederzeit ein Stapel Brennholz, um damit ein warnendes Feuer entfachen zu können. Tatsächlich wurde dieses System noch im “Treårskrigen” verwendet, einem 1848 entfachten, dreijährigen dänischen Bürgerkrieg. In Deutschland ist der auch als Schleswig-Holstein-Krieg bekannt.

Agri Bavnehøj ist übrigens auch ein Hügelgrab in dem die Wikinger damals bedeutende Persönlichkeiten und Stammesführer beerdigt haben. Vom Plateau aus kannst du übrigens viele solcher Hügelgräber in der Umgebung entdecken. Mols Bjerge ist damit nicht nur ein Naturpark, sondern auch eine kulturelle Landschaft.

Wie findest du die Landschaft in Mols Bjerge? Gefallen die Wälder und Hügel? Oder hast du auch eine Naturempfehlung? Dann schreib es weiter unten in die Kommentare. Ich freue mich von dir zu lesen.