Wer Urlaub in Dänemark macht, findet nicht nur wunderschöne Natur und Ruhe, sondern gelegentlich ein paar Dinge, die ratlos zurücklassen. Dann fragt man sich zurecht: was ist das? In der Serie Hvad er det? gehe ich den Dingen auf den Grund. Mal geht es um wirklich kuriose Dinge, wie Fische auf der Wäscheleine. Mal sind es Schilder, die Rätsel aufgeben. Hier findest du alle Artikel der Serie.

Antik, Genbrug und Loppemarked – nicht nur Urlauber lieben die dänischen Flohmärkte und Geschäfte für allerlei gebrauchten Klimbim. Hier lassen sich nicht nur relativ günstig Geschirr, Besteck, Lampen, Küchengeräte, Klamotten und Dekoartikel finden. Gelegentlich sind auch echte Designklassiker oder Sammlerstücke dabei – dann aber meist nicht mehr ganz so günstig. Es macht aber auch einfach nur Spaß durch die Regale zu streifen und zwischen dem Plunder echte Schätze zu suchen. Das Spannende: jeder ist nach etwas anderem auf der Suche. Vielleicht nach einem schönen Andenken an den Urlaub? Oder nach einer alten Æbleskiver-Pfanne als Dekoration? Vielleicht ein klassischer Weihnachtsteller von Royal Copenhagen aus dem eigenen Geburtsjahr?

Liebe auf den zweiten Blick

Wer sich auf “Schatzsuche” begibt, dem fällt früher oder später blaues Emaille-Geschirr auf. Fast überall gibt es blaue Kaffeekannen, mal mit einem Filter-Aufsatz, mal ohne. Mal groß, mal klein. Dazu gibt es noch allerhand andere blaue Küchenutensilien. Schaumlöffel, Springformen, Kasserollen und Schalen für das Badezimmer in denen Sæbe und Co. aufbewahrt werden konnten. Ehrlich gesagt sind mir diese blauen Utensilien erst nach und nach aufgefallen. Über die Jahre habe ich sie aber ganz lieb gewonnen und so haben wir uns bereits eine Soda-Schale zugelegt und jüngst auch eine blaue Kaffeekanne als Dekoration für zu Hause gekauft. Denn zu gebrauchen sind die meisten Emaille-Helfer nicht mehr, da viele von ihnen Rost angesetzt haben. Da wäre nur noch eine Frage: Was hat es denn mit dem blauen Emaille-Geschirr auf sich? Es kann schließlich kein Zufall sein, dass es so viel davon gibt.

Des Rätsels Lösung heißt Madam Blå. Was für ein charmanter Name für die blauen Kaffeekannen. Bis 1966 stellte die dänische Firma Glud & Marstrand die typisch blauen Kaffeekannen her. In der Größe waren sie sehr flexibel: es gab Kannen für eine bis zu fünfzig Tassen. Naja, die Dänen trinken halt gern Kaffee. 😉

Bemerkenswert ist die Zahl, in der die Kannen hergestellt wurden: Bereits im Jahr 1900 waren es 1.000 Stück werktäglich. Das waren rund 200.000 Kannen im Jahr! Kein Wunder, dass so viele Exemplare in den Loppemärkten auf ihre neuen Besitzer warten.

Wenn die Hausfrau nichts anderes hatte, hatte sie eine blaue Kaffeekanne

Zu Beginn stellte Gluad & Marstrand das Emaillegeschirr noch in weiß und violettblau her. Manchmal unifarben, manchmal weiß mit violettblauen Verzierungen. Erst um 1900 wurde die blaue Serie auf den Markt gebracht und im Handumdrehen ein riesengroßer Erfolg. Das Emaillegeschirr war ohnehin eine Revolution für den Haushalt. Es war hygienisch, haltbar und erschwinglich. Nicht zuletzt ist es auch noch hübsch anzusehen. So gehörten die Produkte von Madame Blå – so wurden später alle Produkte genannt – in nahezu jeden dänischen Haushalt. Es entstand der Ausdruck: “Wenn die Hausfrau nichts anderes hat, hat sie eine blaue Kaffeekanne”.

Ab den 1930er Jahren gab es das Emaillegeschirr auch noch in vielen anderen Farben: gelb, rot, orange, grün, braun und Creme mit grünem Rand. Doch der blaue Klassiker blieb beliebt wie seit seiner Markteinführung. Nicht selten wurden sogar die Küchen in den Farben des Emailles gestrichen: blaue Wände oder Regale waren nicht selten zu sehen. Dazu auch ein blaues Handtuch. Drauf gestickt der Spruch “Orden er køkkenets Pryd” – “Ordnung ist die Dekoration der Küche”.

Wenn du also ein Stück dänische Geschichte haben möchtest, dann kauf dir doch einfach eine Madame Blå für zu Hause. Sie macht sich übrigens auch super als Blumenvase.

Wo steht deine Madame Blå? Oder hast du einen anderen Liebling aus dem Loppemarked? Schreib es mir doch etwas weiter unten in die Kommentare. Ich bin gespannt was du gesammelt hast.