100 Jahre Pølsevogn – der Hotdog als dänisches Lebensgefühl

In Dänemark ist der Hotdog mehr als nur ein schneller Snack. Er ist eine Institution. Genauer genommen sind es die Pølsevogn, die nun seit 100 Jahren Treffpunkt für Hungrige, Touristen, Feinschmecker und Stammkunden sind. Wurstwagen finden sich in nahezu allen dänischen Städten und sie sind weit mehr als nur eine rollende Fastfood-Theke.

Senioren treffen sich hier Vormittags, um bei einem Fransk Hotdog das letzte Handballspiel zu besprechen, mittags wird es laut, wenn sich ein paar Schülerinnen und Schüler Hotdogs mit gebratenen Würstchen, also ristede pølser wünschen und nach Feierabend kommen die Jungs von der Baustelle noch auf einen kleinen Snack vorbei. Nicht selten kennen sich die Kunden und Hotdog-Verkäufer schon seit Jahren. Der Pølsevogn ist also eine Sache des Vertrauens – und das nun schon seit 100 Jahren. Denn am 18. Januar 1921 hat die Kopenhagener Stadtverwaltung erstmals die Genehmigung erteilt, die roten Würstchen im Brötchen aus einem Pølsevogn zu verkaufen.

116.000.000 Hotdogs im Jahr

Seitdem hat sich viel getan. Das Geschäft mit den Würstchen ist erstaunlich erfolgreich: 116 Millionen Hotdogs werden Jahr für Jahr in Dänemark verkauft. Was für eine unglaubliche Menge, gibt es doch gerade einmal 5,8 Millionen Däninnen und Dänen. Natürlich essen wir Touristen auch das ein oder andere Würstchen vom Wagen oder Imbiss, sodass sich die Zahl etwas relativiert.

Coop hat die Hotdog-Vorlieben der Dänen etwas genauer analysiert: demnach verzehren die Menschen aus Nordjütland am meisten Hotdogs. Sie essen doppelt so viele davon, wie Dänen, die in der Umgebung von Kopenhagen leben. Außerdem sind Hotdogs vor allem bei den Jüngeren zwischen 15 und 34 Jahren beliebt.

Warum ist der Hotdog eigentlich so lecker?

Ein klassischer Hotdog, frisch vom Kopenhagener Pølsevogn

Ein klassischer Hotdog besteht aus einem länglichen Brötchen, einer gerösteten oder gekochten Wurst, Senf, Remoulade und Ketchup, oben drauf kommen rohe und geröstete Zwiebeln sowie Gurken. Daneben gibt es natürlich noch zahlreiche Variationen. Aber eine Frage bleibt: warum ist der Hotdog so lecker?

Jede Zutat für sich genommen, sollte zwar frisch sein, aber ist an und für sich nichts besonderes. Vielmehr ist es die Mischung der einzelnen Zutaten, die uns glücklich macht. Die salzige Wurst und das milde Brötchen, die Säure der eingelegten Gurken und der scharfe Senf. Abgerundet wird das Geschmackserlebnis von den Röstaromen der Röstzwiebeln und dem süßen Ketchup. Rohe Zwiebeln und die Remoulade vollenden den Geschmack.

Außerdem ist auch das Essen ein wirkliches Erlebnis. Die Wurst knackt bei Abbeißen, die gerösteten Zwiebeln knirschen beim Kauen und die Soßen sorgen dafür, dass der Hotdog nicht trocken wird. Übrigens schmeckt der Hotdog am Pølsevogn noch besser, weil hier auch noch andere Sinne angesprochen werden. Du wirst vom leckeren Duft der gerösteten und gekochten Würstchen angezogen, du siehst die frischen Zutaten. Auge und Nase essen eben mit.

Als der Hotdog mit Senf noch 25 Øre kostete

Pølsevogn 1954 auf dem Rathausplatz in Kopenhagen

Schon während des ersten Weltkrieges wurden in Deutschland Würstchen auf der Straße verkauft. Aus Karren heraus gab es sie mit Brötchen und Senf direkt auf die Hand. Als dänische Geschäftsleute davon erfahren haben, wollten sie natürlich eigene Stände eröffnen. Dafür brauchten sie allerdings eine Erlaubnis der Stadträte. Doch entsprechende Anträge wurden immer wieder abgelehnt. Natürlich sorgten sich Restaurantbetreiber vor Konkurrenz und sie ließen deshalb ihre Kontakte zu den Entscheidern spielen. Aber die Stadträte selbst hatten ebenfalls Bedenken. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass Menschen bald auf offener Straße essen würden. Bis dahin fast undenkbar.

Charles Svendsen Stevna stellte immer wieder Anträge. Der gebürtige Däne führte schon seit 10 Jahren einen erfolgreichen Hotdogladen im schwedischen Oslo und wollte endlich auch in seiner Heimat ein paar Pølsevogn betreiben. Im Jahr 1920 wurde ihm schließlich die Erlebnis dazu erteilt. So kam es, dass Charles Svendsen Stevna am 18. Januar 1921 seinen ersten Wurstwagen auf dänischem Boden eröffnete. Es handelte sich dabei um einen Abschleppwagen mit Kupferkessel, rundherum wurde eine Holzkiste gebaut in der Brötchen aufbewahrt wurden. Damals kostete die Wurst mit Senf 25 Øre. Wolltest du ein Brötchen dazu, kamen noch einmal 5 Øre obendrauf. Das klingt aus heutiger Sicht nicht wirklich teuer, doch damals konnte sich nicht jeder Hotdogs leisten.

Die Blütezeit der Würstchenwagen

Trotzdem waren sie ein großer Erfolg. Bald schon öffneten Pølsevogn in Aarhus, Aalborg und anderen dänischen Städten. Die Wagen wurden immer moderner und bekamen bessere Ausstattung. Häufig waren die Verkaufswagen aber in der Hand von Großhändlern. Das passte einigen privaten Anbietern gar nicht und so forderten sie im Jahr 1942 ein neues Gesetz für die Pølsevogn. Das kam auch. Fortan mussten die Wursthändler selbstständig sein und eine Erlaubnis für einen Stellplatz von der Stadt mitbringen. Doch das war noch nicht alles. In den 1940ern wurde außerdem beschlossen, dass Hotdogs nur noch von jenen verkauft werden dürfen, die aus körperlichen Gründen keinen anderen Beruf mehr ausüben können. Das veränderte den Pølsevogn-Markt in ganz Dänemark. Die Stände wurden jetzt nach ihren Besitzern benannt und die fingen an, den Hotdog als etwas ganz besonderes zu betrachten. Die Qualität der Speisen und Zubereitung stieg.

In den 1970er Jahren, in der Blütezeit der mobilen Würstchenwagen, gab es über 700 Stück in ganz Dänemark. Später wurden sie durch andere Imbissangebote teilweise verdrängt. In einigen Städten wurden die Pølsevogn stationär, Händler verkauften ihre Hotdogs also bald aus festen Buden. Nur die Städte Kopenhagen, Odense, Slagelse und Hørnsholm haben stationäre Pølsevogn bis heute nicht erlaubt. Hier müssen die Wagen in jeder Nacht in eine Garage gebracht werden, damit sie am nächsten Morgen wieder auf ihren Stellplatz gebracht werden.

Der perfekte Hotdog: Tipps vom Pølseprofi

Was macht einen Hotdog zu einer richtigen Delikatesse? Was sind die Tipps der langjährigen Wurstverkäufer? Diese Fragen hat sich eine Reporterin des Dänischen Rundfunk auch gestellt und sie hat ein Kopenhagener Urgestein des Pølsevogn-Verkaufs begleitet. Welche Tipps Peter Christiansen verraten hat, fasse ich dir hier kurz zusammen:

  • Schneide die Knoten des Naturdarms am Ende der Würstchen ab.
  • Erwärme die Würste in gesalzenem Wasser, so behalten sie ihren Geschmack. Ungesalzenes Wasser entzieht der Wurst das Salz.
  • Das Wurstwasser darf niemals kochen, sonst platzen die Würste natürlich auf.
  • Ein anderer Kochtipp: friere die Würste ein, bringe Wasser im Topf zum kochen, salze es und gib dann die gefrorenen Würste hinein. Schalte die Herdplatte sofort ab. Schwimmen die Würste an der Wasseroberfläche, sind sie perfekt.
  • Legst du die Würstchen ins Brötchen müssen die Enden immer nach oben zeigen, sonst läuft das Dressing herunter und die Zwiebeln gleich mit.

Und wieso trinken viele Dänen Kakao zum Hotdog?

Ganz einfach: die Dänen lieben es halt süß. Der Ketchup auf dem Hotdog reicht ihnen nicht ganz aus und so helfen sie mit Cocio oder Matilde nach. Falls du es selbst einmal probieren möchtest: Cocio bringt einen etwas karamelligeren Geschmack mit, während Matilde ein paar mehr feinherbe Anteile enthält.

Eine letzte Frage noch: Warum sind die dänischen Würstchen eigentlich Rot? Hier gibt es die Antwort:

2 Kommentare

  1. Es ist immer eine Freude deine Artikel zu lesen. Ich hatte gerade das Gefühl vor einem Pølsevogn zu stehen. Und natürlich habe ich wieder was dazu gelernt. Danke dafür und mach bitte weiter. Viele Grüße Angela

    1. Kære Angela, tusind tak! Vielen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich immer, wenn ich so ein schönes Feedback bekomme. Ich finde auch wahnsinnig spannend, was ich so alles über den Pølsevogn herausfinden konnte. Du glaubst gar nicht, was für einen Appetit ich beim Schreiben hatte. Und keine Sorge: natürlich schreibe ich weiter. Dänemark ist halt eine Liebe fürs Leben. Kærlig hilsen, Chris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.