Kalø Slotsruin: ein magischer Besuch im Sonnenuntergang

Seit über 1.000 Jahren herrschen Könige und Königinnen über Dänemark. Im Laufe der Jahrhunderte haben die dänischen Regenten Spuren überall im Land hinterlassen. Mächtige Burgen und herrschaftliche Schlösser finden sich an den schönsten Orten. So auch auf der kleinen Halbinsel Kalø, in der gleichnamigen Bucht vor Djursland. Hier stehen nur noch die Überreste einer Burg, deren Ursprünge Jahrhunderte zurückliegen. Ein Besuch lohnt sich auch wegen der wundervollen Landschaft, die diesen sagenhaften Ort umgibt.

Auf den Spuren des Mittelalters

Das besondere an der Burg Kalø ist, dass sie bereits im Mittelalter gebaut wurde. Wenn du dich heute aufmachst, um sie zu besuchen, musst du über einen schmalen Damm zwischen Festland und Insel gehen. Das ist nicht nur landschaftlich recht reizvoll, sondern auch eine erste kleine Zeitreise. Diese Straße ist mit groben Steinen gepflastert und ziemlich holprig. Pass auf, dass du nicht aus Versehen umknickst! Wer sich dafür entscheidet, die Straße und nicht den kleinen Sandstreifen seitlich des Weges zu nehmen, wandert auf der längsten noch erhaltenen mittelalterlichen Straße Dänemarks. Hier zogen einst Pferdekarren Fässer mit Bier und Wein auf die Burg, die Kutschen von Königen und Adel krachten über das Pflaster.

Eine Zwangsburg mit fantastischem Ausblick

Beim Spaziergang über den 500 Meter langen Damm zeichnen sich Meeresbucht und Umrisse der Burgruine immer deutlicher ab. Du brauchst eine Weile, bis du auf der Insel angekommen bist. So tauchst du aber allmählich in die Magie dieses Ortes ein. Die Geschichte der Kalø Burg geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Der dänische König führte zahlreiche Kriege, die durch immer höhere Steuern finanziert wurden. Während des Bauernaufstandes wollten sich die armen Landwirte dagegen wehren, doch der Protest wurde niedergeschlagen.

Infolge dessen lies König Erik Menved vier Zwangsburgen bauen, von denen aus die königliche Macht gesichert werden sollte. Das heißt, dass neue Aufstände unterdrückt und die Steuern eingetrieben wurden. Eine dieser Burgen war eben Kalø, die ab 1313 von den Bauern selbst in Zwangsarbeit errichtet wurde. Natürlich an einer strategisch sehr günstigen Stelle. Einerseits lies sich die Burg schlecht einnehmen, da sie nur eine Verbindungsstraße vom Festland aus besitzt. Andererseits bietet die Halbinsel einen ungestörten Blick auf die umliegenden Landschaften, bis hinein in die Bucht von Aarhus. Genau diesen Ausblick kannst du heute noch genießen.

Eine gut erhaltene Ruine

Wir besuchten die Kalø Slotsruin am Abend, als die Sonne schon tief am Himmel stand. Das tauchte die ganze Landschaft in ein wunderbar, warmes Licht. Irgendwie wirkten die Wiesen und Hügel vor der Burg magisch. Als wäre die kleine Insel von einem Zauber umgeben. Vielleicht ist es aber auch nur der Charme der Vergänglichkeit, der hier ruht.

Auf dem großen Hügel thront der Burgturm. Die Burg wurde im Laufe der Zeit häufig umgebaut, erweitert und an die Bedürfnisse der Zeit angepasst. Im Laufe der Zeit war sie Pfand, Leihgabe, Gefängnis, Hochzeitsgeschenk und Besitz eines Hamburger Kaufmanns. 1945 wurden die deutschen Grundbesitzer enteignet und Kalø fiel zurück an den dänischen Staat. Vom ursprünglichen Gebäude sind heute nur noch einige Reste übrig. Der heute noch sichtbare Grundriss stammt offenbar aus einer Erweiterung der Burg nach 1343 unter König Valdemar IV.. Möglicherweise sind Teile des großen Turms noch Überreste des ursprünglichen Baus.

Eine spektakuläre Flucht

Kalø beherbergt aber auch ein paar besondere Geschichten. Eine davon umrankt den wohl berühmtesten Gefangenen der Burg, Gustav Wasa. Der beteiligte sich an Kämpfen des schwedischen Ritters Sten Sture gegen den dänischen König Christian II. Anfang des 16. Jahrhunderts. Nach einer gewonnenen Schlacht auf schwedischem Boden im Jahr 1518 sollte Gustav Verhandlungen mit dem dänischen König führen. Doch dieser lies die Verhandlungsführer festnehmen und sie auf die Burg Kalø nach Dänemark bringen. Der König versuchte die Schweden zum Seitenwechsel zu bewegen, doch Gustav Wasa folgte dem nicht. Stattdessen flüchtete er 1519 verkleidet als Kutscher von der Halbinsel und floh zunächst nach Lübeck, bevor er zwei Jahre später König von Schweden wurde.

Nur hundert Jahre später wurde die Geschichte um die Burg Kalø viel düsterer, als man sich dort aktiv an den mittelalterlichen Hexenprozessen beteiligte. Später wurden sogar Teile von Kalø abgerissen und die Baumaterialien wurden für den Bau von Schloss Charlottenborg am Kongens Nytorv in Kopenhagen wiederverwendet. Verrückt, dass Steine hunderte Kilometer transportiert wurden, um in neuen Gebäuden wieder zu neuem Leben erweckt zu werden.

Genieße ein wunderbares Naturerlebnis

Die Kalø Slotsruine liegt im dänischen Nationalpark Mols Bjerge. Ein Besuch lässt sich deshalb mit vielen anderen tollen Aktivitäten verbinden, beispielsweise mit einem Ausflug auf den höchsten Punkt hier, den Agri Bavnehøj. Von einem großen Parkplatz (Molsvej 31, 8410 Rønde) aus kannst du über die schmale Verbindung zwischen Festland und Insel zur Burgruine wandern. Für den Besuch solltest du mindestens zwei Stunden Zeit einplanen, wenn du gemütlich zur Ruine laufen möchtest und die alten Mauern etwas genauer erkunden willst.

Vor ein paar Jahren hat die dänische Naturbehörde in den Burgturm mehrere Aussichtsplattformen einbauen lassen. Von dort aus kannst du die Sicht über die wunderschöne Umgebung genießen und bis nach Aarhus blicken. Nimm dir doch etwas Essen und eine Kanne Kaffe mit und mache auf Kalø ein naturverbundenes Picknick. Andernfalls findest du am Parkplatz auch das Kalø Slotscafé mit einer öffentlichen Toilette. Empfehlenswert ist der Besuch in den Abendstunden kurz vor Sonnenuntergang, dann wirkt der Ort durch das sanfte und tief stehende Licht noch magischer.

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