Wandern im Nationalpark Mols Bjerge: auf zur Ørnbjerg Mølle

Es sind Tage wie dieser, die lange in Erinnerung bleiben. Dabei war meine kleine Wanderung zur Ørnbjerg Mølle im Nationalpark Mols Bjerge weder besonders lang, noch führte sie mich zu hohen Klippen. Dafür war mein Ziel so beschaulich, unaufgeregt und überraschend schön. Mitten in der Natur von Djursland liegt die alte Wassermühle in wunderschöner Umgebung. Ein echter Geheimtipp.

Naturromantik im Morgenlicht

Die Wanderung zur Ørnbjerg Mølle habe ich nach einer Empfehlung des Nationalparks geplant, bei der man nicht direkt bis zur Mühle fährt. Die kleine Wanderung dahin hat mir jedenfalls schon sehr gefallen. Von einem Parkplatz am Røndevej aus ging es durch ein Viehgatter direkt in die Natur hinein. Eine alte Weidefläche erstreckt sich hinter dem Holztor mit Bäumen, die schon hunderte Jahre alt sein müssen. Ihre Zweige reichen teilweise bis zum Rasen herab. Die orangene Morgensonne ließ die Reiftropfen im Gras und in den Blättern leuchten und an den Spinnenweben haftete der Morgentau. Schnell hat die Natur den Lärm der nahen Landstraße einfach verschluckt. Es klingt etwas kitschig, aber genauso schnell wie der Autolärm weg war, hat mich die Idylle dieser Naturweide verzaubert.

Mols Bjerge: Eine Landschaft, geformt von der Eiszeit

Der Nationalpark Mols Bjerge befindet sich auf jütländischen Halbinsel Djursland und erstreckt sich von der Kalø Schlossruine zur Fuglsø Bucht, herüber bis nach Ebeltoft und zum Stubbe Sø im Norden. Geprägt ist die Landschaft hier von der letzten Eiszeit. Buchten und Wälder, Heide und Moore prägen die Gegend, die von langen Hügeln durchzogen sind. Sie bestehen aus dem, was die Gletscher damals hier her geschoben haben, Endmoränen aus Stein und Sandmassen. Der Name Mols Bjerge kann dabei in die Irre führen. Die Berge hier sind doch eher Hügel. Der höchste Punkt ist mit 137 Metern der Agri Bavnehøj, von dem aus man einen tollen Blick über den Nationalpark hat. Meinen Wanderbericht auf den Agri Bavnehøj und mehr über dessen Geschichte kannst du hier lesen.

Ein Paradies für Wanderer und Naturfreunde

Durch ein weiteres Gatter verließ ich die Weide in Richtung Mühle. Ein Schotterweg führte mich erst durch ein paar Bäume hindurch, dann ist eine Lücke in den dichten Büschen, durch die ich ein kleines Tal erkennen konnte. Wer sonst nur die Nordseeküste kennt, erlebt hier ein ganz anderes Dänemark: die Natur gedeiht hier in einer weniger rauen Umgebung, die Bäume sind nicht windgepeitscht, sondern kräftig und groß. Von den Tälern und Hügeln ganz zu schweigen. Eine traumhafte Gegend für Wanderer.

Typisch dänisch gibt es auch hier einen Unterschlupf für Wanderer oder Abenteurer, die eine Nacht in freier Natur verbringen wollen. Mehr als 400 so genannte Shelter gibt es im ganzen Land. Shelter sind flache, überdachte Bauten, in denen du mit deinem Schlafsack übernachten kannst. Hier gilt grundsätzlich die Devise, “wer zuerst kommt”. Ein ungeschriebenes Gesetz besagt allerdings: Wanderer oder Radfahrer haben Vorrang vor jenen, die mit dem Auto einfach bis zum nächsten Shelter fahren könnten. Eine Übersicht über diese “Natur-Pensionen” findest du auf der Seite von Visit Denmark – dieser hier ist allerdings nicht verzeichnet. Häufig gibt es auch Toiletten, Grills und Lagerfeuerstellen in der Nähe.

Entdecke ein richtiges Kleinod

Wie schön kann ein Ort sein und was braucht er, um einen sofort in den Bann zu ziehen? Die Antwort mag freilich subjektiv sein, allerdings hat mich das Gelände rund um die Ørnbjerg Mølle sofort begeistert. Drei reetgedeckte Häuser stehen hier. Ein kleines gelbes Häuschen steht idyllisch am Mühlenteich, daneben ein längliches Gebäude mit Unterschlupf und die eigentliche Wassermühle mit rückseitigem Wasserrad. Das eigentliche Hofgebäude ist 1988 abgebrannt und konnte nicht gerettet werden.

Was übrig geblieben ist, strahlt eine bescheidene Ruhe aus. Ich ging hinter eine Mauer aus Feldsteinen direkt auf die grüne Wiese um mir ein Bild von diesem Ort zu machen. Wenige Sekunden später waren meine Schuhe vom Tau auf der Wiese klitschnass. Egal.

Eine Mühle mit Geschichte

Ein Teil der Magie ist sicher der Tatsache geschuldet, dass es sich hier wirklich um einen historischen Ort handelt. Die Ørnbjerg Mølle wird bereit in Unterlagen aus dem Jahr 1552 erwähnt. Damals kamen die Bauern aus der Nähe, um hier ihr Korn mahlen zu lassen. Seitdem ging die Mühle von einer Generation an die nächste. Der letzte Müller war übrigens Anders Thuesen Christensen. Bis zu seinem Tod 1961 betrieb er die Mühle. Er wurde in Ørnbjerg geboren und hat praktisch sein ganzes Leben hier verbracht.

Heute kümmert sich eine Gruppe von Freiwilligen um den Erhalt der Wassermühle und um die Wissensvermittlung rund um diesen Ort. Im Jahr 2011 wurde die Wassermühle komplett restauriert und ist heute noch voll funktionsfähig. Der Mühlenverein veranstaltet regelmäßig Vorführungen und beispielsweise Blumenwanderungen. Termine findest du auf der Seite des Vereins – du solltest aber davon ausgehen, dass die Veranstaltungen hauptsächlich auf dänisch angeboten werden.

Nutze die Gelegenheit für eine Wanderung

Rund um die Ørnbjerg Mølle kannst du noch eine wunderbare Wanderung durch die Wälder unternehmen. Ich habe mich damals auf den Weg zum Stubbe Sø gemacht, dem größten See Djurslands. Dabei bin ich auch immer wieder auf große Weideflächen gestoßen, die typisch für die Landschaft hier sind. Praktisch: am Parkplatz der Ørnbjerg Mølle kannst du deine Wasserflasche auffüllen. Hier gibt es einen kostenlosen, frei zugänglichen Trinkwasserspender.

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