Peters Jul: die dänische Weihnachtsgeschichte

Es gibt freilich viele schöne und rührende Weihnachtsgeschichten. Dänemark hat seine eigene: Sie heißt Peters Jul und spielt Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Geschichte erzählt, wie Peter, ein Junge aus dem dänischen Bürgertum, das gesamte Weihnachtsfest erlebt – von den geheimnisvollen Vorbereitungen zum heiligen Abend bis der Weihnachtsbaum nach Neujahr entsorgt wird. Eigentlich handelt es sich gar nicht um eine klassische Geschichte, sondern eher um eine Sammlung von Gedichten. Trotzdem ist alles dabei, was ein richtiges Fest ausmacht: eine Weihnachtsgans, der Baum, Kerzen, Schnee und ein echter Weihnachtsmann. Peters Jul ist der Inbegriff für gemütliche, dänische Weihnachten. Es ist etwas gammeldags, also etwas altmodisch. Aber wer wünschst sich nicht die einfachen Freuden zum Fest?

Die heimliche Vorweihnachtszeit

Peters Jul ist sehr populär in Dänemark. Viele Dänen kennen einige besonders schöne Stellen sogar auswendig. Wie beispielsweise den Anfang des Buchs, in dem es in „Før Julen“ um die Vorweihnachtszeit geht. Diese Stelle habe ich mal für dich übersetzt:

Originaltext

Jeg glæder mig i denne tid;
nu falder julesneen hvid,
så ved jeg julen kommer.
Min Far hver dag i byen går,
og når han kommer hjem, jeg står
og ser hans store lommer.

Frei übersetzt

Ich freue mich auf diese Zeit;
der Weihnachtsschnee fällt weit und breit,
so weiß ich, Weihnachten ist nah.
Und in die Stadt geht jeden Tag,
mein Vater, was er bringen mag,
in seinen großen Taschen da.

Was da nicht alles in der Vorweihnachtszeit zu tun ist. Neben der Geheimniskrämerei des Vaters, holt die Mutter die silbernen Kerzenhalter raus und die Schwester häkelt ein Kissenbezug (trøster) für die Großmutter. Fast gemein: Immer wenn es neue Heimlichkeiten gibt, soll Peter draußen in der Kälte Ball spielen. Einmal nimmt ihn die Magd mit, um in der Bäckerei Weihnachtskuchen zu bestellen, während in der heimischen Küche schon die Weihnachtsgans bereit hängt.

Auch die Großmutter wird eingeladen und Peter schwärmt vom bevorstehenden Fest. Er erzählt vom Milchreis (risengrød) und dem großen Baum, von der Gans und den Weihnachtslieder, die sie singen werden. Eigentlich muss er die Bedstemor gar nicht überzeugen, denn natürlich kommt sie an Heiligabend.

Von Heiligabend bis zum Abschied, eines guten Freundes

Als es dann soweit ist, kann Peter es kaum erwarten. Die Nacht vor Weihnachten schläft er kaum und der Tag zieht sich in die Länge. Als die Großmutter am Nachmittag kommt, liest sie den Kindern eine Geschichte vor. Anschließend geht es in die Stube zum reich geschmückten Baum, an dem Julehjerte und Plätzchen hängen. Im Scheine des Juletræets singen die drei Geschwister und der Vater, während Mutter am Klavier spielt.

An den folgenden Tagen spielen die Kinder mit ihren Geschenken, während die Eltern in die Kirche gehen. Der arme Rasmus kommt zu Besuch und bekommt Weihnachtskuchen und gebratene Äpfel. An Silvester knallen die Schüsse draußen und die Familie isst in der warmen Stube Æbleskiver. Nach dem Dreikönigstag gehen die Kinder wieder zur Schule und dann holt der Müllmann den welken Baum ab. Es war, als hätte ein alter Freund sie verlassen. „Det var dog, som om en gammel ven for sidste gang fra dem rejste.“

Eine Blaupause für die klassische, dänische Weihnacht

Als im Jahr 1866 die Erstausgabe von Peters Jul herausgegeben wurde, hatten sich die dänischen Weihnachtsbräuche noch nicht so richtig durchgesetzt. Mit der Geschichte dieser bürgerlichen Weihnacht, verbreiteten sich die Rituale aber im ganzen Land. Seitdem ziehen Weihnachtsbäume auch in die dänischen Stuben, wer es sich damals leisten konnte, besorgte ein Gans für den Braten, ansonsten gab es Reisbrei und erstmals auch Weihnachtsgeschenke.

Johan Krohn schrieb die ersten Gedichte für Peters Jul Anfang der 1860er Jahre. Die erste Ausgabe des Buches wurde von Johans Bruder Pietro Krohn und von Otto Haslund illustriert und 1866 herausgegeben. Spätere Ausgaben enthalten weitere Gedichte, die die Zeit nach Weihnachten erzählen. Seit 1947 erscheint bei Gyldendal, Dänemarks ältestem Verlag, eine weitere Ausgabe von Peters Jul mit Zeichnungen von Herluf Jensenius.

Peters Jul als Film

Wenn du möchtest, kannst du die die Geschichte von Peters Jul auf YouTube anschauen. Der Film ist in Quedens Gaard, einem Museum in Ribe gedreht worden. Hier sieht es nämlich aus, wie im 19. Jahrhundert. Die passende Kulisse für die Gedichte, die hier von den dänischen Schauspielern Peter Belli und Grethe Sønck (†) gelesen werden.

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Chris

Wind in den Haaren, ein Softice in der Hand und die Gischt im Gesicht, glücklicher kann ich kaum sein. Deshalb blogge ich hier auch über meine Leidenschaft - über Dänemark. Kultur, dänische Gerichte, Urlaubstipps und viel mehr findest du auf diesem kleinen Stück Dänemark im Internet. Außerdem begrüße ich in meinen Podcasts regelmäßig Menschen und schnacke mit ihnen über das Königreich. Ich hoffe, dass dich klitly genauso glücklich macht, wie mich.

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4 Gedanken zu “Peters Jul: die dänische Weihnachtsgeschichte

  1. Hej, Ich würde das Buch gerne gewinnen , weil ich seit 40 Jahren gerne & regelmäßig nach Dänemark fahre (damals mit meinen Eltern) , meine Frau infiziert habe, unsere Tochter auch gerne nach 🇩🇰 fahren und ich ihnen Peters Geschichte so vorlesen könnte … 😊👍

  2. Hallo,

    meine Eltern haben uns als Dänemarks-Liebhaber mit dem Dänemarksvirus angesteckt.
    Wir basteln jedes Jahr für unsere Eltern einen Adventskalender- sozusagen als Danke schön für viele, viele tolle selbstgemachte Adventskalender in der Kindheit. In diesem Jahr haben wir uns überlegt, das dänische Weihnachtsfest mit zu berücksichtigen und sind bei unseren Recherchen auf die dänische Weihnachtsgeschichte Peters Jul gestoßen. Unsere Idee: Wir teilen die Geschichte in 24 Kapitel und lesen bei Kerzenschein – natürlich einer dänischen Adventskerze- das Buch. Leider finde ich keine deutsche Übersetzung und meine Kenntnisse der dänischen Sprache sind begrenzt. Kennen Sie eine Quelle, wo man das Buch in deutscher Sprache erhalten kann.
    Vielen Dank und eine schöne Weihnachtszeit
    Melanie

    1. Hej liebe Melanie, es freut mich, dass ihr so eine schöne Idee für Eltern habt um ihnen die Adventszeit zu versüßen. Leider gibt es Peters Jul meines Wissens nur in dänischer Sprache. Da es ja auch als Gedicht geschrieben ist und besondere Reimformen hat, ist es auch gar nicht so einfach das zu übersetzen. Aber vielleicht habt ihr mit einer dänischen Ausgabe trotzdem Spaß? Ein Übersetzer hilft euch sicherlich, die kleinen Gedichte zu entdecken. Eine wundervolle Weihnachtszeit wünscht euch Chris

  3. Hier ist eine einfühlsame Übersetzung (via Google Gemini) des ersten Kapitels von „Peters Jul“ (Peters Weihnacht, 1870).

    Um dem historischen Geist und dem gemütlichen Biedermeier-Stil des dänischen Originals von Johan Krohngerecht zu werden, bewahrt diese Übertragung den klassischen Rhythmus (Paarreime und Kreuzreime im Wechsel) sowie die leicht altertümliche, herzliche Kindersprache des späten 19. Jahrhunderts.

    Peters Weihnacht (Peters Jul)

    1. Vor Weihnachten (Før Julen)

    Ich freue mich auf diese Zeit!
    Nun fällt der Weihnachtsschnee so weiß,
    die Weihnacht darf nun kommen!

    Mein Vater jeden Tag in die Stadt nun geht,
    und wenn er heimkehrt, ich steh‘
    und schau‘, was er wohl mitgenommen. (wörtlich: sieht seine große Tasche)

    Und auf seinem Tische neulich erst
    ich sah ein holdes Flaggenspiel,
    das werd’ ich nie vergessen.
    Papier beschneidet er mit der Scher’,
    doch komm’ ich rein, so legt er schwer
    den Prunk ins Fach indessen.

    Und Mutter hat Pfefferkuchen gebacken;
    ich weiß es wohl, ich durfte naschen,
    als sie noch ganz warm waren.
    Den Silberschrank hat sie aufgestellt,
    den Prunkleuchter sie nun hergstellt,
    den mit den vielen Armen.

    Und Mutter hat so manchen Gang,
    hinaus muss Anders stundenlang,
    und Mutter und Anders raunen.
    Doch hören kann ich es – oh, pssst! –
    heut Morgen war’s das Weihnachtslicht,
    und rote Bänder und Pflaumen.

    Und Schwester Hanne näht und näht.
    Sie sagt, wie teuer Weihnachten steht,
    sooft sie das Sparschwein schüttelt.
    Für Vater stickt sie ein Pfeifenband
    aus Perlen, und für Großmutters Hand
    ein Seelchen (Schultertuch) sie rüttelt.

    Auch ich will wohl etwas bekommen;
    ich muss ja in den Salon gehn,
    wenn sie ans Stricken schreitet.
    Dort drin ist’s wahrlich bitterkalt;
    doch wenn mein Ball im Raume wallt,
    wird mir kein Frost bereitet.

    Als ich mit Karen ging hinaus,
    da warn’ wir in des Bäckers Haus;
    dort stand der dicke Bäcker.
    Er schrieb auf, was die Karen bat:
    „Zum Weihnachtsabend in der Tat
    zwei Weihnachtskuchen, lecker!“

    Ach, wär’ es Weihnacht! Wär’ das fein!
    Es muss doch nun bald soweit sein,
    es dauert nicht mehr lange;
    denn von dem Stuhl am Fenster hier
    ich an der Küchenmauer spür’
    die Weihnachtsgans schon hange.

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